Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 387 für den Train und die Artillerie angeordnet. Tags darauf erfolgte die Anweisung zur Bezahlung der Feld-Equipage-Gelder und der Befehl zur Marschbereitschaft, endlich am 26. März erging die Ordre, die Regimenter der westphälischen Inspection nach Halberstadt in Bewe­gung zu setzen. Vom 1. April an trat die Armee in die Kriegs­gebühren und Verpflegung im Felde. Gleichzeitig begann der Ausmarsch der in Brandenburg, Pommern und Preussen mobilgemachten Truppen, welche zur Bildung der unter dem Oberbefehle des Königs in Schlesien aufzustellenden ersten Armee bestimmt waren. In Befürchtung der Invasion Schlesiens, namentlich eines Überfalles der Festung Silberberg von Seite der an den Grenzen sich sammelnden Österreicher, wurde die Bewegung so sehr über­stürzt, dass die Truppen täglich 5 bis 6 Meilen (37’5 bis 45km) zurücklegten und in erschöpftem Zustande bei Frankenstein ankamen (10. April). An dem nämlichen Tage und aus gleichem Anlasse hatte auch der Prinz Heinrich mit allen Truppen für den Fall, als die erwartete österreichische Kriegserklärung eintreffen sollte, von Berlin zum Schutze Dresdens an die böhmische Grenze zu rücken. Am 6. April reiste der König mit seinem Neffen, dem Prinzen Friedrich Wilhelm und dem Erbprinzen von Braunschweig von Berlin ab, traf am 8. bei dem zwischen Reichenbach, Silberberg und Münster­berg zusammengezogenen Corps von 29 Bataillonen, 55 Escadronen oder 30.000 Mann ein und etablirte sein Hauptquartier in Frankenstein­Kriegsplan der Verbündeten. Vor seiner Abreise aus der Hauptstadt hatte Friedrich II. den Prinzen Heinrich, den Erbprinzen und Prinzen Friedrich von Braun­schweig, die Minister Graf Finckenstein, v. Herzberg und v. d. Schulen­burg zu sich berufen und denselben folgenden Feldzugsplan mit- getheilt: „Die gegen Österreich operirenden preussischen Streitkräfte haben zwei Armeen zu bilden. Es ist bekannt, dass die Anordnungen der Österreicher dahin gehen, 76.000 Mann zwischen Olmtitz und Königgrätz zu versammeln, dass 15.000 Kroaten (Grenzer) bei Gabel stehen, und dass ein Corps von 15.000 Mann bei Teschen sich formirt. Von den beiden preussischen Armeen soll daher die eine über Sachsen in Böhmen einbrechen und es ist unbedingt nothwendig, ein aus Preussen und Sachsen gemischtes Corps von 15.000 Mann gegen Zittau zu detachiren, um die Lausitz gegen Streifereien sicherzustellen, die selbst bis Berlin sich erstrecken können, wenn man nicht im voraus Vorsorge getroffen. „Ebenso ist es erforderlich, dass einige preussisch - sächsische Truppen gegen Peterswalde und Dux vorgeschoben werden zur Deckung des Rückens und der Magazine. Die beidenyzum gemeinsamen Handeln

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