Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution
IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 379 Errichtung eines neuen Militär-Ökonomie-Systems, durch zweckmässige Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung, durch beständige Übung des Heeres im Waffengebrauch, durch jährliche Zusammenziehung grösserer Truppenmassen in Feldlagern und Abhaltung von Manövern, durch Ausbau und Vervollständigung des Reichsbefestigungs-Systems, durch Reorganisation und Verwendung des Generalstabes zur Landesaufnahme, Landesbeschreibung und Anfertigung von Karten, durch Regelung des Avancements etc. sollte der angestrebte Zweck erreicht werden. Bei dieser durchgreifenden Heeresreform durfte man hoffen, eine zahlreiche, gut geschulte, disciplinirte und schlagfertige Armee zu schaffen, ohne die Staatsfinanzen zu stark in’s Mitleid zu ziehen. Mit Ende des Jahres 1774 stand das k. k. Heer bereits im Zenith seiner Stärke und Kriegstüchtigkeit, wie aus nachstehender Denkschrift des Kaisers an die Kaiserin-Mutter vom Anfänge des Jahres 1775 hervorgeht. „Die Armee Euer Majestät“, schreibt der Kaiser, „hat seit dem letzten Kriege, in welchem man die Kothwendigkeit ihrer Verbesserung am besten eingesehen hat, eine solche veränderte Gestalt in allen Theilen bekommen, dass nicht das Geringste von der alten Verfassung ihr übrig geblieben ist. Ihre Kleidung, ihre Anwerbungsart, ihre Verpflegung, ihre Versorgung, ihr Dienst, ihre Exercitien, ihre Lagerverhaltung, kurz Alles ist dergestalt umgegossen worden, dass es mit dem vorigen gar nicht zu vergleichen ist. Diese Veränderung hat bei der Infanterie schon anno 1766 ihren Anfang genommen, mit so gutem Erfolge, dass alle Officiers einstimmig, sie möchten auch von noch so viel alten Vorurtheilen eingenommen sein, diese Verbesserung, besonders das neue Exercitium für unaussprechlich besser als Alles, was vorhergegangen war, erkennen; ja auch die Fremden, was das System und zum Theil die Ausarbeitung unserer Infanterie betrifft, ihr die vollkommene Gerechtigkeit lassen. Bei der Cavallerie hat es wegen unterschiedlichen Meinungen um viel später seinen Anfang genommen und es ist kaum 3 Jahre, dass ein festes System und Exercitium für selbe ist verfasst und angenommen worden. Es ist also diese noch sehr weit zurück und muss man sich begnügen, wenn einstweilen sie sich nur in etwas der so nöthigen und bei ihr desto beschwerlicheren Ausarbeitung des Mannes und des Pferdes nähere. Desgleichen ist die Artillerie noch in vielen wesentlichen Stücken in ihrer Verfassung unsicher und in ihren Sätzen zweifelhaft. Das Geniewesen, das so sehr ist vernachlässigt worden, fängt jetzt kaum an, auf das Neue sich wieder zu erheben, nur fehlt ihm noch ein Unendliches, um auf den Grad zu gelangen, auf welchem andere europäische Mächte schon gekommen sind.“ In den nächsten drei Jahren bis zum Ausbruche des Krieges mit Preussen 1778 vervollkommnete sich das Heer stetig, namentlich die