Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

372 Kaiser Josef II. als Staatsmann uud Feldherr etc. anrathe, siet in Güte und Frieden mit Russland abzufinden, um dadurch den Ausbruch eines Krieges zu vermeiden, welchen der Wiener Hof in Betracht seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Russland unmög­lich gleichgiltig würde ansehen können. Diese Erklärung Österreichs befriedigte in Petersburg im hohen Grade und Kaiserin Katharina bot dem kaiserlichen Hofe ihre guten Dienste in dem mit Bayern zu tref­fenden Arrangement an. Kaum hatte Friedrich II. hievon Kenntniss erlangt, als er in einem Briefe an die Kaiserin von Russland erklärte, sie könne im Falle eines Krieges mit den Türken, auf seine guten Dienste sich verlassen. Der Krieg sei ganz dem Ehrgeize Österreichs zuzu­schreiben und es sei hohe Zeit, demselben ein Ziel zu setzen. Bald darauf wurde Herr Podewills in besonderer Mission nach Petersburg gesendet, um Katharina für die Sache Preussens zu gewinnen und den vertragsmässigen Beistand gegen Österreich für den Kriegsfall anzusprechen. Die letzte Note Österreichs vom 1. April, in welcher ein ent­schiedener, kriegerischer Ton zum Ausdrucke gekommen war, brachte endlich Friedrich II. auf den Gedanken, im Reiche eine gegen Öster­reich gerichtete Einigung zu Stande zu bringen und zur Erreichung dieses Zweckes die russische Mitwirkung in Anspruch zu nehmen. Seine Absicht war, das Petersburger Cabinet dahin zu vermögen, im Einverständnisse mit dem Berliner eine Coalition deutscher Fürsten zu gründen, fiie sich dem vom Hause Österreich in Deutschland aus­zuübenden „Despotismus“ widersetzen sollte. Zur Begründung dieser Coalition Norddeutschlands sandte FriedrichH. den Freiherrn v. Edelsheim nach Hannover, Sachsen, Braun­schweig, Hessen-Kassel, Darmstadt, Baden und Ansbach und dieser erwirkte, dass sich der Herzog von Zweibrücken, der Kurfürst von Sachsen und der Herzog von Mecklenburg in eigenhändigen Schreiben, deren jedes einzelne der König von Preussen besonders befürwortete, mit der Bitte um Unterstützung und Yertheidigung ihrer Rechte an die Kaiserin von Russland wandten. Katharina nahm die ihr dar­gebrachten Huldigungen mit besonderer Genugthuung auf und liess jetzt nach Wien eröffnen, dass Russland erforderlichen Falles nicht würde vermeiden können, dem Könige von Preussen den vertrags­mässigen Beistand zu leisten. Nachdem sich Friedrich II. in dieser Weise Frankreichs und Russlands versichert und eine Coalition Norddeutschlands zu Stande gebracht hatte, beantwortete er am 22. April die letzte österreichische Note wie folgt: „Der König habe niemals beansprucht, sich zum Richter und Vormund seiner Mitstände aufzuwerfen, aber er halte dafür, dass jeder Fürst und Mitstand des Reiches, hauptsächlich ein Kurfürst, der ohne Widerrede einen contrabirenden Theil des Westphälischen Friedens

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