Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution
IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 353 und Neuburgischen Landen, so müsste dem Kurfürsten ein Äquivalent für diese Gebiete geboten werden, und zwar eine Entschädigung von etwa drei Millionen Einwohnern und dies könnte allein durch einen Austausch der Niederlande bewerkstelligt werden. Die Anträge des Staatskanzlers erhielten von der Kaiserin, in Übereinstimmung mit Kaiser Josef, die Genehmigung und es wurden ihm sodann die weiteren Verhandlungen vollständig überlassen ‘). Inzwischen war der kurpfälzische Resident v. Ritter, welcher mit bestimmten Vorschlägen des Wiener Hofes im Monate October nach Mannheim und Zweibrücken sich begeben hatte, um durch mündlichen Verkehr die Angelegenheit zu betreiben, mit einer am 29. November 1777 ausgestellten Vollmacht, behufs Abschlusses der in Aussicht gestellten Convention, Anfangs December in Wien wieder ein getroffen. Bald nach seiner Rückkehr gelangte die Nachricht von der schweren Erkrankung des Kurfürsten von Bayern Maximilian III. Josef nach Wien und auf beiden Seiten wurde der Wunsch rege, die bisherigen Abmachungen durch einen völkerrechtlichen Vertrag zum Abschlüsse zu bringen. Die nun zwischen dem österreichischen Staatskanzler und dem kurpfälzischen Bevollmächtigten eröffneten Unterhandlungen nahmen jedoch anfänglich einen so ungünstigen Verlauf, dass Kaiser Josef den Einmarsch der schon in den letzten Monaten des Jahres bereitgestellten Truppen in Bayern befürwortete. Maria Theresia wies aber diesen Antrag ab, weil sie die österreichischen Ansprüche für veraltet und wenig begründet hielt; sie hege eine entschiedene Abneigung gegen den Krieg, welcher nur den kaum hergestellten Credit vernichten und das Volk mit neuen Lasten bedrücken würde; Frankreichs Zustimmung sei noch ausständig und Preussens Widerstand gewiss8). Indessen gelang es Fürst Kaunitz, alle Bedenken v. Ritter’s durch Versprechungen und gute Worte zu beseitigen und die Convention am 3. Januar 1778 zum Abschlüsse zu bringen. In dieser Urkunde wurde auf Grund der bisherigen Unterhandlungen Folgendes stipulirt: Der Kurfürst von Bayern Karl Theodor erklärt für sich, seine Erben und Nachfolger in der Kur, dass er die Ansprüche des Erzhauses Österreich, welche aus der vom Kaiser Sigismund, dem Herzog Albrecht von Österreich ertheilten Belehnung auf Bayern, so wie sie vermöge der Theilung vom Jahre 1353 der bayerische Herzog Johann besessen, als vollkommen begründet anerkenne, unter dem Vorbehalt jedoch, dass es dem kurpfälzischen Hause obliegen werde, bei sich ergebenden Zweifeln über die Grenzen der betreffenden Antheile documentirte Beweise vorzulegen. Kurpfalz will die Besitz*) Sybel: Historische Zeitschrift, 35. Band. „Zur Geschichte des bayerischen Erbfolgekrieges von Adolf Beer.“ 2) Arneth: „Maria Theresia und Josef II. Ihre Correspondenz.“ etc.