Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution
349 Kaiser Josef II. a.ls Staatsmann und Feldherr. Österreichs l’olitik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution. Nach dem Acteumateriale der k. k. Archive, dann nach authentischen Werken, unter Leitung der Direction des k. k. Kriegs-Archivs, verfasst von J. Nosinlch, Oberst v6m Stande des k. k. Kriegs-Archivs. (Benützte Archive und Geschichtswerke vergleiche Beilage A.) IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. Ursachen des Krieges und diplomatische Action. Der lange und blutige Kampf, welchen Österreich, seit dem Regierungsantritte Maria Theresia’s, theils um seine Existenz und seinen Bestand, theils zur Wiederherstellung seines früheren Gebietsumfanges gegen Preussen geführt, hatte die Kaiserin bestimmt, nach dem Hubertsburger Frieden 1763, eine mit der Forterhaltung des Friedens im Einklänge stehende Politik der Sammlung zum leitenden Princip ihrer auswärtigen Beziehungen zu machen. Dessenungeachtet nahmen, kurz vor dem Ableben der grossen Fürstin, die Verhältnisse zum Auslande eine so unerwartete Wendung, dass Österreich neuerdings in unabsehbare Verwicklungen zu gerathen drohte, die um so gefährlicher werden konnten, als das Berliner Cabinet ungeheure Anstrengungen machte, die zahlreichen Gegner einer Maclitvergrösserung des Hauses Habsburg gegen dasselbe in einem Angriffsbündnise zu vereinigen. Der bayerische Erbfolgekrieg, charakteristisch durch das Aufgebot grosser Heeresmassen, beansprucht, wenn auch nicht durch entscheidende Schläge und rasche Niederwerfung einer der kriegführenden Mächte, dennoch ein um so höheres historisches Interesse, weil er die künftige Machtstellung der beiden rivalisirenden deutschen Nachbarreiche regelte und wie kein anderer Kampf die Parteileidenschaft der Zeitgenossen entzündete. Unerträglich schien es Friedrich II., dass er trotz seines Feldherrnruhmes doch nur die Stellung eines Reichsfürsten einnahm, in- dess die deutsche Kaiserkrone auf dem Haupte Josefs II. ruhte. Diese dem Hause Habsburg zu entreissen, weil sie dem Träger desselben noch immer einen blendenden Glanz verlieh und einen Hauptbestand- theil der Macht Österreichs bildete, darauf waren seine Ziele gerichtet. Mittlieilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1882. -,t