Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 25 Befremdlicher Weise soll jedoch Ozernitschew, am 6. August bei Leubus angelangt, nicht im Stande gewesen sein die Verbindung mit Laudon herzustellen, der sich nur 4 Meilen von ihm entfernt befand, und nahm hieraus Anlass, am 7. nach Auras zu rücken, um sich seinem Gros zu nähern. Am 9. August erhielt Soltikolf die Nachricht vom Anmarsche Friedrich’s und zugleich jene von dem am 7. erfolgten Abmarsche Laudon’s zur Vereinigung mit Daun, worauf er am 10. nach Kunzen- dorf (3/4 Meilen [5-7km] onö. Auras) zurückging. Zugleich ward im russischen Hauptquartier beschlossen, sofort nach Polen abzumarschiren, wenn der König die Oder erreicht und Laudon sich bis zu diesem Zeitpunkte nicht mit der rassischen Armee vereinigt haben würde. Dieses eigenthiimliche Verhalten wurzelte in dem Misstrauen der russischen Führer in die österreichische Heeresleitung, welcher sie die Absicht unterschoben, die russische Armee in’s Treffen schicken zu wollen, um von den grossen Verlusten des Gegners, welche eine Schlacht erfahrungsgemäss zur Folge haben würde, Nutzen ziehen zu können, welcher Art immer der Ausgang der Schlacht, und die Folgen der­selben für die Russen wären. IX. Marsch der beiderseitigen Hauptarmeen nach Schlesien. Nachdem der König am 29. Juli die Belagerung Dresdens auf­gehoben hatte, ging er auf Meissen zurück. Hier liess er das zur Deckung Sachsens bestimmte Corps Hülsen stehen, überschritt am 1. August mit 38 Bataillonen, 78 Escadronen, circa 31.000 Mann, die Elbe, und bezog ein Lager bei Dallwitz (1% Meilen [ll'4km] nö. Meissen). Von letzterem Orte brach er am 3. August nach Schlesien auf. Am selben Tage setzte sich auch Feldmarschall Daun von Bischofswerda, wo er schon seit dem 31. bereit stand sich dem Könige vorzulegen, dahin in Bewegung. Bis zum 9. August zogen nun beide Armeen nebeneinander her, das Gros der österreichischen auf der Strasse über Bautzen, Görlitz, Lauban , Liebenthal, die preussische meist auf schlechten Nebenwegen über Radibor (1 Meile [7'5kmJ n. Bautzen), Dobschütz (1 Meile [7‘5km] ö. Weissenberg), Rothwasser (3'/t Meile [24’7km] w. Bunzlau), Bunzlau, ohne sich gegenseitig etwas anzuhaben. An letzterem Tage aber spitzte sich die Situation zu. Beide Feldherren wollten nämlich Goldberg erreichen; Daun mit der Absicht dem Könige im Verein mit Laudon das Vordringen über die Katzbach zu verwehren, der König in der Absicht sich zwischen die beiden österreichischen Armeen zu werfen, und die Vereinigung mit dem Prinzen Heinrich über Jauer zu erzielen.

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