Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 23 sehen Armee begünstigte die Realisirung desselben. Doch hätte es die Kaiserin gerne gesehen, dass Laudon den Russen daselbst zuvor- gekommen wäre, um Stadt und Land nicht der Verwüstung durch die letzteren preiszugeben, insbesondere aber, um die bedeutenden Verpflegsvorräthe, welche sich daselbst befanden, vor der russischen Zerstörungswuth zu sichern. Bereits am 28. Juli wurde daher FML. Draskovich mit 28 Bataillonen, 14 Escadronen gegen Breslau in Marsch gesetzt. Gleichzeitig zog Laudon Truppen von der Katzbach dahin, und am 31. Juli schloss er die Stadt mit 38 Bataillonen und 46 Esca­dronen ein. In den hei Hochkirch und Parchwitz vorbereiteten Stellungen blieben noch 16 Bataillone, 39 Escadronen unter FML. Wolfersdorff, beziehungsweise GFW. Caramelli. Die Besatzung von Breslau bestand aus 5 Bataillonen und 2 Escadronen, ferner Detachements von zwei Frei-Bataillonen und etwa 1000 Flüchtlingen des Fouqué’schen Corps, unter General-Major von Taueuzien. Laudon liess den Commandanten noch am 31. Juli zur Übergabe auffordern, erhielt aber eine abschlägige Antwort. In Folge dessen wurden am 1. August drei Batterien erbaut und das Feuer aus den­selben noch am Abend eröffnet. Die hiebei aufgewendeten Mittel waren offenbar unzureichend, aber die Zeit drängte, denn schon war die Nachricht vom Anmarsche des Prinzen Heinrich über Glogau — eingetroffen. Laudon versuchte nun während des Bombardements einen Hand­streich, aber er misslang. Die russische Armee hatte sich noch nicht hinreichend genähert, um die Belagerung übernehmen zu können, und allein fühlte sich Laudon zur Fortsetzung derselben und der gleichzeitigen Abwehr des Prinzen zu schwach. Er verfügte daher am 3. August die Aufhebung der Belagerung. Es scheint, dass der Feldzeugmeister bis zum letzten Augenblicke die Hoffnung nicht aufgegeben hatte, sich doch noch Breslau’s zu bemeistern, sonst wäre es nicht zu erklären, dass er trotz des erwähn­ten Entschlusses noch am 2. und 3. August Versuche machte, die Stadt in seine Gewalt zu bekommen, welche leider auch ohne Erfolg blieben. Noch mehr zu beklagen ist aber, dass Laudon hierüber die Gelegenheit versäumte, sich dem Prinzen Heinrich mit vereinigter Kraft (54 Bataillone, 85 Escadronen) an der Katzbach entgegen zu stellen, und denselben bis zum Herankommen der Russen von Breslau abzuhalten.

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