Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 17 67 Geschütze ‘), 38 Munitions-Wagen, 34 Fahnen und 2 Standarten wurden erobert. Der österreichische Verlust betrug 99 Officiere und 2764 Mann an Todtcn und Verwundeten. General Jahnus hatte Zieten in seiner Stellung auf dem Sattel bei Zeisberg allarmirt. Zu einem ernsten Gefechte kam es hier jedoch nicht. Als Zieten gegen Mittag des 23. von dem Ausgange des Gefechtes bei Landshut Kenntniss erhielt, zog er sich nach Schweidnitz zurück. Die Verantwortung der preussischen Niederlage trifft, wie das Vorhergehende zeigt, weder Fouqué noch seine Truppen, denn beide thaten ihre Schuldigkeit im vollsten Maasse, wohl aber den König, dessen Befehl den genannten General, ohne jeden Spielraum, zum Ausharren in der Stellung von Landshut anwies, und eben so sehr den Prinzen Heinrich, welcher es unterliess Fouqué zu unterstützen, obwohl er dazu aufgefordert wurde und die Verhältnisse eine solche Unterstützung geboten. Nach dem Gefechte bei Landshut standen in ganz Schlesien an Feldtruppen nur mehr 5 Bataillone, 4 Escadronen, ferner 1000 Mann und 1200 Reiter, die Reste des Fouqué’schen Corps, und Laudon konnte sieh nunmehr ungestört der Belagerung von Glatz zuwenden. IV. König Friedrich will nach Schlesien Hilfe bringen, wird aber in Sachsen festgehalten. Während dieser Ereignisse in Schlesien standen sich die beiden Hauptarmeen in Sachsen unthätig gegenüber. Endlich machten die Bewegungen Laudon’s den König angesichts der unzureichenden Kräfte Fouqué’s doch für Schlesien besorgt, und um leichter Hilfe dahin bringen zu können, überschritt er in der Nacht zum 15. Juni bei Meissen die Elbe a). In Folge dessen vereinigte auch Feldmärschall Daun zwischen dem 15. und 18. Juni die österreichische Hauptarmee bis auf die Reserve, welche an letzterem Tage bei Dresden eintraf, am rechten Elbe-Ufer. Auch die Reichsarmee befand sich seit 9. Juni im Anmarsche gegen Dresden und traf hier am 22. ein. Am 24. endlich erhielt König Friedrich die Nachricht von der Niederlage Fouqué’s und entschloss sich nun nach Schlesien zu mar- schiren, um das Vordringen der Österreicher daselbst aufzuhalten. Nach siebentägiger Vorbereitung setzte er sich endlich am 2. Juli von Dobritz (1 */t Meilen [9'5km] nö. Meissen) mit 38 Bataillonen, 80 Esca- 2 !) Nach Angabe des preussischen Generalstabs-Werkes 68 Geschütze. 2) Zu diesem Zeitpunkte traf der Prinz v. Holstein mit 10 Escadronen preus- sischer Cavallerie, welche sich bisher bei der alliirten Armee unter dem Herzoge Ferdinand von Braunschweig befunden hatten, beim Könige ein. Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1882. 2