Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Bericht des k. k. General-Majors Graf Bubna, ddo. 11. October 1808 an den Generalissimus Erzherzog Carl über die Zusammenkunft mit dem königl. preussischen Obersten Graf Goetzen in der Ottendorfer Mühle

Diesem letzten Fall widersprechen zwar die Äusserungen des Kaisers im Senat, und die Versicherungen, welche er in allen Negociationen mit anderen Höfen mischt, dass er nämlich von Seite Österreichs ganz sicher sei. Allein kann nicht auch dieses Maske sein, um Österreich desto sicherer zu täuschen ? wenigstens scheint sieh die Nachricht zu bestättigen, dass der grösste Theil der aus Deutschland abmarschirten Truppen am Rhein stehen geblieben ist, und der lange Stillstand, welcher jetzt in den Operationen an der französisch-spanischen Grenze stattfindet, macht es nicht unwahrschein­lich, dass Negociationen stattfinden, welche den Spaniern, die doch nie hoffen können, allein gegen Frankreich selbst Fortschritte zu machen, nicht zu verdenken ist, wenn sie sehen, dass das übrige Europa seine heroischen Kraft-Äusserungen nicht benützt, um seinem Fall vorzubeugen, und sie ohne Unterstützung lässt. Es ist eine völlige Unmöglichkeit, die Präliminarien des Tractats, den Prinz Wilhelm von Preussen in Paris unterzeichnet hat, zu erfüllen, und da nur dadurch die Räumung der Provinzen effectuirt werden soll, so beweisen sie, dass auch der Gedanke dieser Räumung nicht stattfindet, und dass der Tractat nur geschlossen werden sollte, um Russland zu beruhigen, Österreich zu beunruhigen und Zeit zu gewinnen. Aber ausser diesen pecuniären Bedingungen sind noch andere ebenso unausführbar. Z. B. die augenblickliche Entlassung aus dem Dienst aller Personen ohne Unterschied des Standes und Emplois, welche nicht aus den noch jetzt preussischen Provinzen gebürtig sind; dies würde den grössten und unentbehrlichsten Theil aller jetzigen preussischen Staatsdiener betreffen. Der König hat demnach diesen Tractat zu unterzeichnen verweigert, und der Kaiser von Russland, der bei der Ankunft des Kuriers gerade in Königsberg war, und versicherte, dass seine Reise hauptsächlich die Erfüllung des Tilsiter Friedens beabsichtige, hat es übernommen, andere Bedingungen zu negociiren. Da der Kaiser von Frankreich jetzt Ruhe im Norden wünscht, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass er wenigstens scheinbar etwas nachgeben, und ebenso wahrscheinlich, dass der Kaiser von Russland, der wegen des nicht glücklichen Krieges mit Schweden und wegen der innern Verhältnisse Ruhe von Aussen wünscht, auf die Ratification eines gemilderten Tractats dringen werde, Preussen wird ihn also, und mit ihm seinen Untergang unter­zeichnen müssen, wenn nicht, und zwar schleunig, Hoffnung zur Rettung von einer andern Seite kommt. Durchdrungen von der Überzeugung, dass nur von dorther Rettung zu erwarten, dass sie aber auch unfehlbar sei, wenn Österreich sich der Sache Deutschlands annehmen wollte, sind alle Kräfte mit Energie aufgeboten worden, nicht allein in sich selbst eine beträchtliche Macht aufzustellen, sondern auch die vortreffliche Stimmung in ganz Deutschland zu benutzen. Beiliegendes Tableau *), dies ist das nämliche Tableau, welches dem Berichte vom 7len dieses beigeschlossen war, zeigt die gegenwärtige effective 96 Bericht des Grafen Bubna an den Generalissimus Erzherzog Carl über ') Das Tableau ist in den Acten nicht vorhanden. Bei „Hassel“, welcher den handschriftlichen Nachlass des Obersten Graf Goetzen aus dem Archive des Grossen Generalstabes in Berlin publicirt, unter „Aetenstücke“ Nr. 250 a, Seite 552 abgedrnckt.

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