Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
82 W agram. fast gänzlich zersprengt worden; auch Gyulai hatte bei Tarvis empfindlichen Verlust erlitten; der Palatin endlich berichtete, dass er im Ganzen 6400 Insurgenten zu Fuss und vier Divisionen Insurrections- Reiterei an der Raab gesammelt habe, sich aber eventuell nur 6—8 Tage halten könne. Unter diesen Verhältnissen befahl der Erzherzog, dass FML. Jel- lachich den nächsten Weg nach Graz einzuschlagen und sich dort mit ihm zu vereinigen habe; FML. Chasteler solle sich so lange als möglich in Tirol halten, äussersten Falls aber, nach Zurücklassung eines entsprechenden Corps als Stütze des Landsturmes, in kleinen Abtheilungen durchzubrechen trachten; das Gros der Armee selbst marschirte am 18. nach Klagenfurt, wo der Erzherzog den Befehl erhielt, „von Villach über Spital nach Salzburg zu rücken, sich mit FML. Jellachich zu vereinigen und FZM. Grafen Kolowrat, der mit 24.000 Mann bei Linz am linken Donau-Ufer stehe, die Hand zu bieten, um im Rücken des um Wien stehenden Feindes zu operiren“. Dieser Auftrag erschien bei dem Umstande, als Villach bereits im Besitze des Gegners war, der ungestüm nachdrängte, nicht mehr ausführbar, selbst ohne der ausserordentlichen Schwierigkeiten zu gedenken, auf die der Marsch auf einer einzigen Strasse durch ein subsistenzarmes Land unter so ungünstigen militärischen Verhältnissen noth wendig stossen musste. Der Erzherzog setzte daher, ungefähr 10.000 Mann stark, den Marsch nach Graz fort, wo er durch die Vereinigung mit Jellachich sich auf 20.000 Mann zu verstärken und dann wieder zu offensiven Operationen befähigt zu sein hoffte. In Folge der Niederlage, welche Jellachich durch den, über Judenburg direct gegen Wien ziehenden Vicekönig am 25. Mai in dem Treffen bei St. Michael erlitt, wurden jedoch alle Pläne des Erzherzogs gekreuzt und der weitere Rückmarsch nach Könnend noth wendig, wo die Reste der innerösterrei- chischen Armee, circa 9—10.000 Mann, am 2. Juni eintrafen. Um dieselbe Zeit stand der Banus, FML. Ignaz Graf Gyulai, bei Warasdin, wohin er über Pettau gelangt war; FML. Marquis Chasteler war in der ersten Halite des Juni durch Kärnten nach Unterstcior durchgebrochen und hatte gleichfalls den Weg nach Warasdin genommen. Von der Hauptarmee war schon am 27. Mai die Brigade des GM. Baron Bianchi, verstärkt durch 4 Bataillone niederösterreichischer Landwehr und eine Positions-Batterie, zusammen 5672 Mann, 870 Pferde und 22 Geschütze, nach Pressburg detachirt worden, um diesen bisher nur schwach besetzten, höchst wichtigen Übergangspunkt zu behaupten. Die Insurrections-Truppen hatten sich gleichfalls gegen die Raab vorgeschoben, und standen deren unter dem Erzherzog Palatin 4000