Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

80 Wagram. schon das Gerücht sich erhob, der Verlust des grossen Kampfes sei einzig und allein der innerösterreichischen Armee unter Erzherzog Johann zuzuschreiben, welche, von Pressburg herbeigerufen, zu spät auf dem Schlachtfelde erschien. Anfangs nur schüchtern auftretend, erhielt diese Behauptung durch die schon erwähnte Schrift „Relation über die Schlacht bei Deutsch-Wagram etc. etc.“ nicht allein eine moralische Basis, sondern sie wurde geradezu als historisch berechtigt hingestellt. Denn nicht nur, dass die „Relation“ zu verschiedenen Malen und in entschiedenster Weise die Anklage gegen die inner­österreichische Armee, respective deren Führer erhebt, verstärkt sie die, ihr ohnehin durch die äussere Form ihres Auftretens zuerkannte Authenticität noch durch die Schlussworte, wo sie sagt: „Viel wird über diese Schlacht geschrieben — viel erdichtet werden; aber drei­mal!) underttausend Zeugen werden das Gepräge der Wahrheit auf die Nachwelt bringen, wenn die gehässigsten Farben der Täuschung längst vergangen sind“. Seit dem Erscheinen jener Publication aber knüpft sich ein unverdienter Makel um so fester an einen erlauchten Namen, als dessen Träger in hochherzigem Patriotismus es unterliess, gegen den ungerechten Vorwurf aufzutreten. Den Epigonen aber erwächst eben hieraus die Pflicht, die Ereignisse in voller historischer Treue darzustellen und in Wirklichkeit „das Gepräge der Wahrheit auf die Nachwelt zu bringen, da nun die gehässigsten Farben der Täuschung längst vergangen sind“. — Allgemeine Übersicht der Operationen auf dem süd­lichen Kriegsschauplätze. Die Streitkräfte, welche Österreich im Jahre 1809 südlich der Donau aufstellte, die also gewissermassen als linker Flügel der gesammten Operationsfront anzusehen sind, bestanden aus zwei selb­ständigen Theilen: der innerösterreichischen Armee unter Erzherzog Johann und der „adeligen Insurrection“ in den Ländern der ungari­schen Krone unter Commando des Palatins Erzherzog Josef. Zur Zeit des Ausbruches der Feindseligkeiten — Anfangs April — war letztere noch in den ersten Stadien des Werdens und kann daher vorerst nicht in Betracht kommen. Die innerösterreichische Armee bestand aus dem VIII. und IX. Armee-Corps unter FML. Marquis Chasteler und dem Banus von Croatien, FML. Grafen Ignaz Gyulai, — dann den Landwehren, Tiroler Milizen und den dritten Bataillonen einiger Grenz-Regimenter mit einem Gesammtstande von circa 55.000 Mann, 4000 Pferden und 179 Geschützen. Als Sammelpunkte waren Klagen­furt und Laibach angewiesen; GM. Stoichevich beobachtete mit 8000 Manu Grenztruppen das ungefähr 10—12.000 Mann starke franzö­sische Corps in Dalmatien unter Marschall Marmont. Die Gesammt-

Next

/
Thumbnails
Contents