Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

7ti Wagram. vor Markgraf-Neusiedl besetzten Grabens flankirt und dem stürmen­den Feinde überlassen wurde. — Zugleich wurde auch ein Graben links des Ortes, wo man durch eine Vertiefung sich des Thurmes bemeistern konnte, vom Feinde emportirt. „Das Gefecht vor dem Orte wurde nun allgemein; da man aber zur Unterstützung desselben keine disponiblen Truppen mehr hatte, vielmehr der Drang der Umstände erforderte, die Höhen stark zu besetzen, so wurden auch die Truppen auf letztere zurückbefehligt. Die bis dahin zur Deckung der beim Thurme aufgeführten Batterien aufgestellten Bataillone rückten in die vorliegenden Gräben des Thurmes, um die sich zurückziehenden Truppen aufzunehmen, welche sich sodann hinter selben wieder formirten. „Mittlerweile näherten sich die in einem Winkel, ganz nach der Form unserer Stellung formirten feindlichen Linien unter dem Schutze ihres Artilleriefeuers. Die vor dem Orte Markgraf-Neusiedl sich formirenden feindlichen Plänkler machten mehrere immer abgeschlagene Stürme gegen unsere Front; endlich aber rückten aus den zwei von Ober-Siebenbrunn auf unsere linke Flanke vorgerückten feindlichen Treffen sechs Massen in drei Linien zum Angriffe aus dem ersten Treffen vor, während das zweite die dadurch entstandenen Lücken ausfüllte und en front zur Unterstützung nachrückte. „Ein Cavallerie-Regiment wurde zum Angriffe auf diese Infanterie­massen beordert; der Angriff hatte aber ausser einem starken Ver­luste dieses Regiments keinen anderen Erfolg, als die Vorrückung des Feindes auf einige Zeit zu verschieben. Eine zweite Attaké fiel nicht glücklicher aus. Nun Hess Fürst Rosenberg zwei Cavallerie-Regimenter einen Angriff auf diese Massen machen; allein von der Übermacht des Feindes zurückgeworfen, warfen sich diese Regimenter auf die Höhen links rückwärts der aufgestellten Brigaden; hierauf begann die erste Linie der feindlichen Massen ihren Angriff auf die Infanterie- Brigade. Er wurde abgeschlagen. Die zweite Linie der feindlichen Massen erneuerte denselben, wurde aber auch dieses Mal durch die Standhaftigkeit dieser braven Regimenter zurückgewiesen. — Nun begann der dritte Angriff, bei dem es endlich dem Feinde gelang, diese Brigade zum Weichen zu bringen. „Das schwache' zweite Treffen rückte sonach vor, um dem geschlagenen ersten die Zeit zur Wiedersammlung zu geben, allein unvermögend, den übermächtigen Feind aufzuhalten, musste auch dieses sich zurückziehen. Nun näherten auch die von Glinzendorf vorgerückten drei feindlichen Treffen sich dem Orte Markgraf-Neusiedl, und jetzt erst gelang es ihnen, sich der Höhen und des Thurmes zu bemäch­tigen. Die Überreste des linken Flügels des ersten Treffens formirten nun eine Flanke, um dem feindlichen Vordringen auf dieser Seite Einhalt zu thun.

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