Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
74 Wagram. Während des Kampfes hei Aderklaa hatte FZM. Graf Kolowrat mit dem III. Corps die Division Legrand zurückgedrängt, sich Breiten- lee’s bemächtigt und rückte gegen den Esslinger-Hof vor. Das VI. Corps zwang nach heftigem Geschützkampfe die Division Boudet zum Rückzüge nach Esslingen, besetzte Asparn und stand gegen 10 Uhr Vormittags in der Linie Breitenlee-Asparn. Dieser Verlauf der Ereignisse zwang Napoleon nicht nur zum Aufgeben seines Planes, sondern nöthigte ihn sogar, alle Mittel aufzubieten, um seine Communication mit der Lobau zu sichern. Unter dem Schutze einer gegen Aderklaa und Breitenlee formirten Batterie von 100 Kanonen vollzogen sich jene, in der Schlachtentaktik fast unerreicht dastehenden Manöver. Massena führte mit seinem ganzen Corps, der Front des III. und VI. österreichischen Corps entlang, einen Flankenmarsch aus, Um sich Esslingen zu nähern und dem Corps Klenau entgegenzutreten. Die vernichtende Wirkung einer so ungeheuren Geschützmasse, wie sie Napoleon in Anwendung brachte, gewährte ihm Zeit, die neuen Formationen zu Ende zu bringen. Aber selbst als die Massen des Centrums schon gefechtsbereit auf den Befehl zum Angriffe warteten, zögerte Napoleon noch, denselben zu erlassen. Der Schwerpunkt der ganzen Schlacht lag jetzt bei Markgraf-Neusiedl, wo FML. Fürst Rosenberg mit dem IV. Corps bisher alle Angriffe des Marschalls Davoust abgewiesen und auch der Umgehung sich mit Erfolg erwehrt hatte. Erst wenn Davoust durch einen Signalschuss beim Thurme von Markgraf-Neusiedl anzeigte, dass er sich dieses Postens bemächtigt und den österreichischen linken Flügel umgangen habe, glaubte Napoleon den entscheidenden Schlag führen zu können. Bei der hohen Wichtigkeit, welche dem Kampfe am österreichischen linken Flügel sowohl in militärischer, als auch in geschichtlicher Hinsicht innewohnt, ist es von Werth, den Verlauf desselben genau nach den Aufzeichnungen des Operations - Journals der Hauptarmee wiederzugeben, denn eben diese sind die Basis aller späteren Beur- theilungen und Behauptungen. „Es war ungefähr 10 Uhr Morgens. „Kaiser Napoleon hatte unserem rechten Flügel gegenüber seine Linien gebildet und sich dort in Verfassung gesetzt, unser ferneres Vordringen kräftig zu hindern; zugleich aber auch zur Entscheidung der Schlacht den Herzog von Auerstädt durch neue Colonnen des Centrums verstärkt und befohlen, unaufhaltsam unseren linken Flügel zu bestürmen, um sich der Höhen zu bemeistern und durch deren Besitz unsere ganze Aufstellung zu tourniren. „Standhaft hatte dagegen unser IV. Corps die fortwährenden Angriffe des Feindes vor der Front ausgehalten. Doch jetzt nabten sich auch jene Colonnen, welche von Loibersdorf (Leopoldsdorf) und