Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
72 Wagram. Diese Concession, die hier der Geheimhaltung gemacht wurde, war in der Schlacht von den schwerwiegendsten Folgen und behinderte das zielbewusste Zusammenwirken der einzelnen Corps. In Folge der erhaltenen Befehle setzte sich FML. Fürst Rosenberg mit dem IY. Corps um 4 Uhr Morgens in drei Colonnen in Bewegung. Die erste Colonne hatte Grosshofen, die zweite Glinzen- dorf anzugreifen, die dritte aber, welche aus Cavallerie bestand, die rechte Flanke des Feindes zu umgehen und sich sodann am linken Flügel der eigenen Stellung zu postiren. Da der Marschall Davoust zur selben Zeit mit dem III. Corps aufgebrochen war, um Markgraf-Neusiedl anzugreifen und den österreichischen linken Flügel zu umgehen, so trafen beide Corps in der Bewegung zusammen und es begann das Gefecht, bei welchem die k. k. Truppen bis Glinzendorf und Grosshofen vordrangen. Nun trat jener verhängnissvolle Stillstand in der Action der österreichischen Armee ein, der zweifelsohne von bedeutendem Einflüsse auf das Schicksal des Tages war und den das Operations- Journal der k. k. Hauptarmee folgend schildert: „Die Corps des rechten Flügels, welche von Baumersdorf, Hagenbrunn und Seyring gegen Asparn, Breitenlee und Aderklaa Vordringen und ihren Angriff zugleich mit dem Rosenberg’schen Corps um 4 Uhr Früh beginnen sollten, waren des weiten Marsches bis zu der ihnen anbefohlenen Aufstellung wegen, noch nicht eingetroffen. Der Generalissimus, welcher sich auf den Höhen zwischen Wagram und Baumersdorf befand, befahl daher dem IV. Corps, vor Erscheinung der übrigen Corps nicht zu rasch vorzugehen.“ „Diesem zufolge wurden drei Bataillone der Avantgarde vor dem Russbache en masse aitfgestellt, den zum Sturme auf Grosshofen und Glinzendorf bereits vorgerückten Bataillonen eine Verzögerung dieses Unternehmens anbefohlen, was jedoch nicht hinderte, dass sich die Avantgarden beider Colonnen der ersten Häuser von Grosshofen und Glinzendorf bemächtigten. Es war dies um 5 Uhr Morgens. „Die Corps des rechten Flügels hingegen waren noch immer nicht in ihre anbefohlenen Aufstellungsorte zwischen Asparn und Wagram gekommen; die finstere Nacht hatte das Eintreffen der Befehle und mit ihnen das Aufbrechen der Corps verspätet, die überdies noch von ihrem nächtlichen Lagerplatz, das VI. einen Marsch von 21/, Stunden, das II. von 2 und das Grenadier - Corps von 1 */2 Stunden bis auf das Schlachtfeld zurückzulegen hatten. — Der Generalissimus, besorgend, dass das Corps des FML. Rosenberg allein den überlegenen Kräften des Feindes unterliegen würde, befahl nun diesem Corps, alle Offensive einzustellen und sich blos auf die Ver- theidigung der Position zu beschränken.“