Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
44 Wagram. liehe Schlacht vom 21. und 22. Mai die Möglichkeit errungen hat, gegen den Feind offensiv zu agiren, wird diese Bewegung nächster Tage anfangen; es ist daher von der entschiedensten Nothwendigkeit, dass die Insurrection versammelt und in Bereitschaft stehe, den Bewegungen der Armee zu folgen und sie zu secundiren. Dem Erzherzog Generalissimus habe Ich den Befehl ertheilt, sobald er die offensive Operation anfängt, Euer Liebden alle Bewegungen der Hauptarmee bekannt zu machen und Ihnen stets anzuweisen, auf welche Art die Insurrection mitzuwirken habe.“ Mit vollständiger Klarheit drückt ein Befehlschreiben an den FZM. Grafen Kolowrat, am 27. Mai die Absichten des Generalissimus aus: „Der Herr Feldzeugmeister werden meinen letzten Befehl vom 25. bereits bekommen haben und bei Erbalt dieses schon auf dem Marsche nach Zwettl sein.“ „Ich mache Ihnen, jedoch im strengsten Vertrauen bekannt, dass ich, um den am 21. und 22. erfochtenen Sieg zu benützen, sobald es sein kann, die Donau unterhalb Wien p as siren werde, um den Feind aufzusuchen und ihm einen zweiten Schlag zu versetzen.“ Selbst aus diesen wenigen Anführungen geht mit unbestreitbarer Klarheit hervor, dass man nach der Schlacht bei Asparn keineswegs, wie eine schon 1809 erschienene und bis in die Gegenwart als Quelle benützte Broschüre behauptet, statt an die Ausnützung des Sieges zu denken, in einem „mehrtägigen Gratulations Empfange“ die Zeit verlor. Es wurde im Gegentheile schon in den ersten Tagen nach der Schlacht der sehr positive Plan entworfen und vorbereitet: die Armee bei Pressburg über die Donau zu führen und, während Erzherzog Johann die Armee des Vicekönigs von Italien abhielt, der feindlichen Hauptarmee eine neue Schlacht zu liefern, als deren Ziel die Vereinigung der österreichischen Hauptarmee mit jener des Erzherzogs Johann durch Niederösterreich aufgestellt war. Die weiteren Operationen hätten ihre Stütze in dem Corps des FML. Chasteler finden sollen, der beauftragt war, sich in Tirol um jeden Preis zu behaupten. Warum diese vom Erzherzog Generalissimus geplante und, wie oben ersichtlich, theilweise auch schon vorbereitete Offensive nicht zur That wurde — darüber gibt ein, vom Chef des Generalstabes der Hauptarmee, GM. Grafen Wimpffen, am 29. Mai demselben vorgelegtes Memoire erschöpfende Antwort: „Die Hauptbeweggründe, welche für den Übergang über die Donau dermalen zu sprechen scheinen, sind folgende: „1. Die Benützung des am 21. und 22. erfochtenen Sieges.“ „2. Die Verhinderung, dass der Feind nicht gegen die Armee des Erzherzogs Johann detachire, oder sich mit seiner Gesammtkraft gegen ihn wende.“