Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

II. Der Feldzug von 1737. 307 anrückenden kaiserlichen Truppen zurück, sondern das Landvolk, irregeführt durch zahlreiche Emissäre, floh in das Gebirge. In Folge dessen stockte der Verkehr; die Frucht auf den Feldern wurde nicht eingebracht, so dass nicht nur die Contributionen sehr spärlich einliefen, sondern, wie FZM. Wallis nach Wien berichtet, unfehlbar eine Hungersnoth zu befürchten war, falls die geflüchteten Bauern auf die von ihm ausgesendeten Proclamationen hin, nicht wieder ihre Heimstätten aufsuchten. Türkische Truppen waren bisher nicht in der Walachei er­schienen, indess hatte FZM. Wallis sichere Nachrichten, dass Mauro- cordato sie erwarte und bei Bukarest Vorkehrungen für ihren Empfang treffe. Da in diesem Falle zweifellos auch die türkischen Truppen in und bei Widdin sich regen würden, so beschloss Graf Wallis Ende Juli, sich näher an das Detachement des bei Cegartsa südlich Krajova lagernden General-Major Pfefferkorn zu ziehen, um den Bau der, bei Isias und Kalafat zu errichtenden Befestigungen zu beschleunigen und ausgiebig zu decken. Demzufolge rückte das Gros des siebenbürgischen Corps am 4. August in Krajova ein, wo auch das Hauptquartier blieb. Die Nachricht von dem Falle Nissa’s öffnete auch den kaiser­lichen Truppen in der Walachei ein weites Feld der Thätigkeit, welches FZM. Graf Wallis ausgiebig zu beschreiten gedachte. Den Äusserungen des Feldmarschall Grafen Seckendorf nach durfte Wallis mit Sicherheit annehmen, dass die Wegnahme Widdins das zweite Ziel der Operationen der kaiserlichen Hauptarmee sein werde. In dieser Voraussetzung entwickelte FZM. Wallis den Plan, mit seinen Truppen die Aluta zu überschreiten, um nach Vereinigung mit General-Major Gliilany Bukurest zu nehmen und die türkische Walachei zu occupiren. Um dies durchzuführen, müsste jedoch ein Theil der Hauptarmee die österreichische Walachei besetzen, und FZM. Wallis brachte die triftigsten Belege für die absolute Noth- wendigkeit einer solchen Operation bei, wolle man anders den nun­mehr schon ganz offen betriebenen russischen Agitationen gegenüber die Moldau und Walachei dem Kaiser sichern '). Bevor jedoch eine Entscheidung über dieses Project rücklangen konnte, traf der Befehl des Armee-Commando’s vom 2. August ein, wonach FZM. Wallis angewiesen wurde, mit so viel Truppen als nur immer entbehrlich nach Vadudil und Kalafat zu marscliiren und dort 1 1) FZM. Graf Wallis berichtet am 5. August an Feldmarschall Seckendorf, es sei vollkommen verlässlicher Quelle nach „von dem russischen commandirenden Herrn Feldmarschall dem Fürsten Ghika bedeutet worden, dass die Moldau für Moskau würde oceupirt, auch der in dieser Provinz befindlichen kaiserlichen Generalität solches mit der Erinnerung angezeigt werden, dass man sich kaiser­licher Seits zurückziehen möge“. Kriegs-Archiv 1737, hofkriegsräthliche Acten; Fase. VIII, g/l.

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