Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

II. Der Feldzug von 1737. 301 Ufer befindlichen Truppen auf diese Art in Sicherheit kommen, der Feind aber die Zurückbleibenden niedermetzeln und endlich mit den Fliehenden zugleich die Brücke überschreiten würde. Um dem vor­zubeugen und die Ordnung wieder herzustellen, Hess der, in diesem Momente an dem gefährdeten Punkte angekommene Prinz Hildburg­hausen die Ankertaue der, dem linken Ufer zunächst befindlichen Pontons kappen und die Brücke theilweise abtragen. Dass bei umsichtiger Führung diese Schlappe leicht hätte ver­mieden werden können, zeigt die bewundernswerthe Haltung der auf der Front des Carré’s gestandenen Truppen: 1 Bataillon Reizenstein unter Major Roth, ein Tlieil des Regimentes Wolfenbüttel unter Oberst Przichowsky und 2 Bataillone Croaten unter Oberstlieu­tenant Prosinsky. Obwohl selbst in der Front bedroht, verloren diese Tapfern keinen Augenblick ihre kaltblütige Ruhe. Als die beiden Flanken des Carré’s zerschmettert waren und die so gefürchteten türkischen Reiter ein Blutbad im Innern anrichteten, Hessen die Commandanten dieser Bataillone die rückwärtigen Glieder „Kehrt“ machen und nahmen die cingedrungenen Türken in ein so vernichtendes Gewehrfeuer, dass diese zum Rückzuge gezwungen wurden. FZM. Prinz Hildburghausen hatte inzwischen das linke Ufer mit Geschütz und Truppen besetzt; auch die noch am rechten Ufer befindliche Infanterie der rechten Flanke sammelte sich wieder, und so wurden die mehrmaligen Angriffe des Gegners abgewiesen. Sobald sich derselbe gänzlich zurückgezogen hatte, wurde die Schiffbrücke hergestellt und die Stellung am linken Ufer durch 2 Ba­taillone verstärkt. Die Verluste, welche die kaiserlichen Truppen erlitten, waren sehr beträchtlich und beliefen sich auf 600 Todte, worunter die Oberste Graf Hai leweil und Baron Przichowsky, Major Otter­feld, 9 Hauptleute und Rittmeister und 13 Subaltern-Officiere; ver­wundet wurden 14 Officicrc und 272 Mann; vermisst 8 Mann; ferner verlor das Corps 186 Pferde. Während der Belagerung wurden in den Tranchéen 1 Stabs-, 1 Ober-Officier und 29 Mann getödtet, 80 verwundet, so dass der Gesammtverlust 66 Stabs- und Ober-Offi- ciere, 922 Mann und 186 Pferde betrug. Die am linken Ufer placirt gewesenen 4 Feldstücke und 4 Mörser fielen in die Hände des Feindes. Aufhebung der Belagerung und Rückmarsch hinter die Save. Obwohl die kaiserlichen Truppen in dem Gefechte vom 4. August ihre Position behauptet hatten, so war dasselbe dennoch in seinen Folgen entscheidend für die Operationen in Bosnien. AVeit mehr als

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