Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
II. Der Feldzug von 1737. 299 den Feind in der Stellung zu erwarten, da es keinen Vortheil bringen konnte, ihn in seinen unzugänglichen Schluchten aufzusuchen. Die Türken hatten indess ihren Marsch in südlicher Richtung fortgesetzt, überschritten oberhalb Banjaluka unweit Kola den Vrbas und umgingen rückwärts des Jllasko-brdo die Stellung Baranyay’s. Diese Bewegungen wurden von den kaiserlichen Feldwachen erst dann theilweiso bemerkt, als türkische Truppen den Süd-Abhang des Jllasko-brdo erstiegen, während der Abmarsch derselben von Gjuric und ihre gegen Osten ausgreifende Bewegung, des unübersichtlichen Terrains wegen, nicht wahrgenommen werden konnte. In Folge dieser ungenauen Nachrichten gelangte Prinz Hildburghausen zu der Annahme, der Feind demonstrire nur auf dem rechten Ufer, um sich dann mit seiner Hauptkraft auf die Belagerungs- Arbeiten und den Train zu werfen. In dieser Voraussetzung wurden die Feldmarschall-Lieutonants Succow und Römer mit 7 Bataillonen und 2 Reiter-Regimentern zur Verstärkung des rechten Flügels auf den Lausberg disponirt, während General-Major Baranyay den Befehl erhielt, seine Artillerie auf das linke Ufer zu schaffen und seine Truppen bei der Pontonbrücke, mit dem Rücken gegen den Fluss, am rechten Ufer aufzustellen. Die Tranchéen blieben besetzt und die Reserven wurden derart postirt, dass sie rasch nach jeder Richtung hin verwendet werden konnten. Diese Vorkehrungen waren bis auf jene, welche das Geschütz des Baranyay’schen Detachements betrafen, dessen Bespannungen die Flucht ergriffen hatten, in Vollzug gesetzt, als jener Theil der Türken, der den Jllasko-brdo erstiegen hatte, von dort aus einen wiithenden Angriff auf G FW. Baranyay ausführte, der aber so, wie ein gleichzeitiger Ausfall der Besatzung auf dem linken Ufer, zurückgeschlagen wurde. Die Stärke dieses Angriffes und inzwischen eingelangte genauere Nachrichten Hessen den Prinzen seinen Irrthum über die Absichten des Gegners erkennen und sofort das Nöthige anordnen. Er beschloss nunmehr, das linke Ufer nur schwach besetzt zu halten, mit dem Gros den Vrbas zu übersetzen und den Feind anzugreifen. Nur I Dragoner- Regiment sollte zum Schutze der, in den Tranchéen befindlichen Pikets im Lager Zurückbleiben, alles Übrige aber, 13 Bataillone, 4 Grenadier Compagnien zu Fuss und 5 Reiter-Regimenter, an den Vrbas rücken. General-Major Baranyay wurde auf 12 Bataillone, 8 Grenadier-, 5 Carabinier-Compagnien und 6 Escadronen regulärer Huszárén verstärkt und FML. Succow zum Commandanten aller am rechten Ufer befindlichen Truppen ernannt ‘). *) *) FML. Succow kam zu spät, um dieses Commando zu übernehmen, welches sonach bis an’s Ende in den Händen Baranyay’s blieb. Dieser Umstand wurde später zum schweren Vorwürfe gegen den Prinzen Hildburghausen, „massen die von den