Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
286 Dei- Krieg mit der Pforte 1736—39. Armee-Commandant erachtete jedoch nach Erhalt des hierauf bezüglichen Rescriptes die Zeit nicht mehr für ausreichend, um Änderungen vorzunehmen, und es blieb daher die ursprünglich erlassene Disposition für die künftigen Operationen massgebend. A. Die Operationen. In Serbien. Als Seckendorf am 11. Juni in Belgrad eintraf, waren die Rüstungen tlieils beendet, theils in vollem Gange, die Armee auf dem Marsche nach ihren Sammelplätzen. In der berechtigten Überzeugung, dass die Kriegsvorbereitungen so umfassend getroffen worden waren, als dies die Verhältnisse nur immer zuliessen, drang nun der Kaiser auf eine rasche Eröffnung der Operationen; denn nach wie vor wirkte der Wunsch bestimmend, sich möglichst bald in dem Besitze eines entsprechenden feindlichen Territoriums zu sehen, welches bei einem eventuellen Friedensschlüsse die Vortheile des „faktischen Besitzes“ gewähren könnte. Jetzt aber schon machten sich die verderblichen Wirkungen eines Mechanismus fühlbar, der des einheitlichen Wirkens so sehr entbehrte und der von den verschiedensten Motoren in Bewegung gesetzt wurde; selbst die correcten Bestrebungen der einzelnen Ämter und Stellen konnten häutig blos nur einen thcilweisen Erfolg erringen, ja selbst dieser wurde gerade in den wichtigsten Ressorts gegenseitig oft nahezu ganz aufgehoben. So z. B. waren zur Zeit der Ankunft Seckendorfs in Belgrad die Mehlvorräthe an der Flu&sstrecke Szege din-Sémiin in hinreichender Menge aufgestapelt, dennoch aber stiess die Magazinirung im Operations-Rayon auf die grössten Schwierigkeiten, weil es an Transportmitteln fehlte. Statt 1000 bespannter Wagen waren nur 224 elend mit Pferden bespannte für obige Zwecke disponibel, weil man die übrigen, mühsam aufgebrachten Ochsen.wagen aus Ersparungsrücksichten nach Ofen geschickt hatte, um von dort die Hafervorräthe zur Armee zu führen! Auch die Hofkammer, welche früher erklärt hatte, dass die erforderlichen Gelder ohne übermässige Anstrengung würden beigeschafft werden können, zeigte sich schwierig, als die Zeit der That herankam. Den ganzen Feldzug hin zog sich ein leidiger Competenz- streit, weil die Hofkammer, als sie auf stricién kaiserlichen Befehl die präliminirte Summe beistellen musste, dem Armee-Commando eine Menge Ausgabeposten aufzubürden versuchte, die ganz ausserhalb dessen Ressorts lagen, wodurch bedeutende Summen den Bedürfnissen der Armee entzogen wurden. Endlich war es auch die Eigenart des Feldherrn, welcher es zugeschrieben werden darf, wenn der Feldzug nicht so energisch begonnen wurde, wie dies der Kaiser so lebhaft wünschte.