Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
II. Der Feldzug von 1737. 283 Auch der Präsident des Hofkriegsrathes sprach sich entschieden gegen eine Operation in der Richtung nach Widdin aus, welches noch niemals Operations-Object gewesen sei, und fand es „unüberlegt“, auf Eroberungen auszugehen, wenn man nicht zwei Armeen habe, deren eine die eigenen Grenzen decke, während die andere operire. Eine Cooperation der Russen sei bei deren weit entlegenen Operations- Objecten erst in der zweiten Hälfte der Campagne vorauszusetzen; bis dahin müsse man die eigene Kraft richtig abwägen und die Erfolge des Alliirten erwarten. Habe man dann die Wahl der Operationen frei, so wende man sich zuerst gegen Süden, wobei die eigenen Grenzen besser gedeckt blieben und nach der Einnahme Nissa’s die weiteren Operationen in der ursprünglichen Richtung unter günstigen Verhältnissen fortgesetzt werden könnten. Die Operation gegen Widdin bedeute den unvermeidlichen Ruin des Heeres. Man habe dabei nur die Wahl: entweder den Timolc- Übergang gegen alle Kriegsregel durch eine Hauptschlacht zu erkämpfen mit Defiléen im Rücken, wo im ungünstigen Falle fast kein Mann entkommen könnte -— oder -— falls die Türken defensiv blieben, Widdin zu belagern. Abgesehen davon, dass die Armee nicht stark genug sei, um Circumvallation, Contravallation und Angriff zu bestreiten, würde sie durch Fieber und Schanzarbeit so sehr leiden, dass sie nach Eroberung der Festung, also gerade in der Hälfte der Campagne, ruinirt wäre. Zu alledem aber blieben bei einer solchen Operation die kaiserlichen Länder diesseits der Donau ungedeckt feindlichen Einfällen ausgesetzt. Dass man sich des Nachschubes wegen nicht von der Donau entfernen solle, sei ein altes Vorurtheil, welches seit Eroberung Belgrads, um so weniger Beachtung verdiene, als nun durch Benützung der Morava der Landtransport bis Nissa auf 16 Meilen herabgedrückt sei. So wie die wenigen hier angedeuteten, standen auch die übrigen der Conferenz vorgelegten Projecte in schroffem Gegensatz zu einander. Indess stimmte der sehr einflussreiche FZM. Prinz Hildburghausen, sowie der präsumtive Oher-Commandant Feldmarschall Seckendorf für die Operation gegen Widdin, und da auch der Kaiser, welcher allen Berathungen beiwohnte, auf das Entschiedenste dagegen war, die Operationen mit dem Vormärsche gegen Nissa zu beginnen, so gelangte die Idee Talman’s zur theilweisen Annahme. Es wurde beschlossen, den Feldzug mit der Wegnahme von Widdin zu eröffnen und sich dann nach Nissa zu wenden, immer aber als Hauptziel im Auge zu behalten, dass die Besetzung von Bosnien in jedem Falle als Resultat dieser Operationen hervorgehe. Die Truppen wurden beordert, bis Mitte Mai in den Sammelplätzen Passarowitz, Uj-Palanka und Gradiska einzutreffen. Feldmarschall Seckendorf erhielt zugleich mit seiner Instruction als Ober-