Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Die Occupation Bosniens und der Herzegovina (1879)
Operationen der Haupt-Colonne bis Zenica-Vitez
112 Vormarsch von Brod bis zum Gefechte hei Zepce. raum für vier zweispännige landesübliche Wagen oder 100—120 Mann eingerichtet war. Als günstige Uebergangspunkte für Herstellung von Kriegsbrücken wurden bezeichnet: 1. 2000 Schritt unterhalb der Ukrina-Mündung, wo bei sehr niederem Wasserstande eine Furt entsteht. Am rechten Ufer wäre an dieser Stelle die Anlage eines circa 2000 Schritt langen Colonnenweges behufs Verbindung mit der Strasse nach Dervent erforderlich. 2. In der Verlängerung des von Neu-Varos zur Save führenden Landweges. Das steile Ufer bedingt hier ein stufen weises Abgraben, damit die Pontons ins Wasser gebracht werden können, sowie die Herstellung einer Zufahrtsrampe. 3. An der Ueberfuhrstelle bei Brod mit Benützung der bestehenden Zufahrtsrampe. Das hohe, steile Ufer hindert hier den gliederweisen Brückenschlag. 4. 380 Schritte unterhalb der Ueber- fuhrstelle in Verlängerung des zur Save führenden, bei Hochwasser die Zufahrt zur Ueberfuhr vermittelnden Dammes. Auf Grund vorliegender Anweisung hatte das Commando der VI. Truppen-Division unter Zuziehung des Generalstabs-Chefs, des Artillerie-Chefs, des Commandanten des 5. Pionnier-Bataillons und des Genie-Directors der Festung Brod die zum Brückenschläge geeignetste Stelle, sowie die Art des Ueberganges zu ermitteln, und sofort alle Vorarbeiten beginnen zu lassen, welche die Ueberschreitung der Save auf den ersten ergehenden Befehl ohne Zeitverlust ermöglichten. Bei früheren Recognoscirungen war die ad 3 bezeichnete Stelle für das Schlagen einer Kriegsbrücke als besonders vortheilhaft erkannt worden. Wenn auch beim Save-Uebergange kein Widerstand zu erwarten war, so hatten doch alle Einleitungen und der ganze Vorgang, wie im Ernstfälle, unter strenger Beobachtung der hiefür von der Taktik an die Hand gegebenen Grundsätze zu geschehen. Die zur Sicherung des Ueberganges nothwendigen technischen Anlagen waren in grossen Zügen dem Genie-Director in Brod mitzu- theilen, welchem deren Ausführung oblag. In dem eventuellen Brückenköpfe durften weder Linien-, noch technische Truppen der Haupt-Colonne zurückgelassen werden; die Besetzung des Uebergangspunktes fiel der Festungs-Besatzung von Brod zu. Mit Ausnahme der in Brod zurückbleibenden 2. Pionnier - Compagnie, hatten alle übrigen technischen Truppen der Haupt-Colonne auf dem Vormarsche im Bosna-Thale zu folgen. Von den Umständen sollte es abhängig bleiben, ob die zu erbauende Kriegsbrücke nächst Brod bis zur Vollendung der halbpermanenten Brücke stehen zu lassen, oder ob die Verbindung der beiden Save-Ufer provisorisch mittelst einer Dampffähre herzustellen sei. So lauteten im grossen Ganzen im Hauptquartier des 13. Armee- Corps zu Brod die nächsten Anschauungen und Anordnungen über den Beginn der Operationen. Der Aufmarsch der Haupt-Colonne war vollendet, die erste Vorbewegung derselben eingeleitet; die weiteren Entschlüsse mussten vom Verlaufe der unmittelbar bevorstehenden Ereignisse abhängen. Gleich nach Erhalt der auf den Uferwechsel bezugnehmenden Weisungen hatte das Commando der VI. Truppen-Division, im Einver-