Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Die Occupation Bosniens und der Herzegovina (1879)

Ereignisse vom Einmarsche bis zur Einnahme von Sarajevo

108 Einleitung der Operationen. Staffeis bei Samac übersetzen kann. Gros des ersten Staffeis folgt am 29. Früh. Weiters nach Marsch-Tableau.“ Gleichzeitig wurde jedoch den Divisionen bekannt gegeben, dass der definitive Befehl zumUebergange, nach von Wien erwarteter Weisung, telegraphisch folgen würde. Hier hatte man, auf die Vertragstreue der Hohen Pforte bauend, sich aber entschlossen, dieser noch Zeit zu lassen, den gedachten Instructionen die nothwendige Verbreitung im Lande zu geben. Am 27., 4 Uhr Nachmittags, erhielt demzufolge FZM. Freiherr von Philippovic aus Wien den Auftrag, die Grenzüberschreitung aber­mals zu verschieben, und dieser wies, gegen 6 Uhr Abends, die Divisionen an, die Marschbereitschaft wohl aufrecht zu erhalten, doch habe „der Uebergang über Save und Vorrückung erst auf Befehl des Corps zu geschehen“. In Wien und Constantinopel wurde seitens der k. u. k. Regierung der Abschluss eines Uebereinkommens mit der Hohen Pforte nach- drücklichst betrieben. Die Unterhandlungen drohten aber, bei dem starren Festhalten der türkischen Vertreter, sich in bedenklichster Weise in die Länge zu ziehen, und der k. u. k. Regierung politisch wie militärisch Verlegen­heiten zu bereiten. Die allgemeine politische Lage auf der Balkan- Halbinsel war eine derart gespannte, dass Zwischenfälle im Bereiche der Möglichkeit lagen, welche die Besetzung Bosniens und der Hercego­vina, je später durchgeführt desto schwieriger gestalten konnten. Die seit Anfang Juli im Occupations-Gebiete eingetretenen Verhältnisse, so insbesonders die in den Hauptstädten eingerissene Anarchie, bargen weitere Gefahren in sich und mussten um so dringender zu rascher That auffordern, als die Machtlosigkeit der Pforte, dieser Bewegung Herr zu werden, offenkundig war. Der schleppende Gang der Verhand­lungen schien seitens der Hohen Pforte nicht ganz unbeabsichtigt. Die Vermuthung lag nahe, dass diese derart das ganze Unternehmen in Frage stellen, die Durchführung des Beschlusses der europäischen Mächte illusorisch machen und Oesterreich-Ungarn an Wahrung seiner vitalsten, schon in empfindlichster Weise geschädigten Interessen hindern wolle. Die topographischen und klimatischen Verhältnisse des Occupa- tions-Gebietes machten überdies dringend nothwendig, spätestens bis Ende October alle Marschbewegungen daselbst zu Ende zu führen, die Truppen entsprechend unterzubringen und deren Verpflegung über die strenge Jahreszeit sicher zu stellen. Hiezu erschien aber, mit Rücksicht auf die grosse Ausdehnung des Occupations-Gebietes, der Zeitpunkt für Beginn der Occupation mit August schon relativ spät. Jeder Tag weiteren Aufschubes musste, abgesehen davon, dass hiedurch auch die financiellen Opfer wuchsen, unnöthiger Weise diese Zustände verschlimmern. Diese Gründe bewogen die k. u. k. Regierung, vorläufig auf den Abschluss eines, nach dem Auftreten der Vertreter der Hohen Pforte für die nächste Zeit nicht zu gewärtigenden Uebereinkommens zu ver-

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