Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Die Occupation Bosniens und der Herzegovina (1879)

Ereignisse vom Einmarsche bis zur Einnahme von Sarajevo

Einleitung der Operationen. 101 In gedachtem Tableau waren auch die nothwendigen Anhalts­punkte für Sicherung der Verbindung mit der Basis, für Regelung der Verpflegung und des Sanitätsdienstes gegeben, und auf jene Theile der Marschlinie hingewiesen, welche besondere Schwierigkeiten bieten oder umfassende Herstellungsarbeiten erfordern würden. Die Verhältnisse, unter welchen die k. k. Truppen die Grenzen Bosniens und der Hercegovina überschreiten sollten, waren durchaus eigenartig. Fordert jede militärische Operation in diesem rauhen, un­wirksamen und wenig gangbaren Gebirgslande ganz aussergewöhn- lichen Leistungen, so thürmten in diesem Falle sich auch mannigfache Schwierigkeiten politischer Natur auf. Die k. k. Truppen sollten im Dienste wahrer Humanität und Civilisation dem aus tausend Wunden blutenden Lande Ruhe und Ordnung bringen, sollten helfen der Rajah ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen, ohne die Besorgnisse der mit äusserster Zähigkeit an Religion, Sitten und Gebräuchen hängenden, bis nun allein herr­schenden Bekenner des Islam zu wecken. Die Wahrung des friedlichen Charakters der Occupation musste sonach als wichtiges Postulat für das Gelingen der schwierigen, dem FZM. Baron Philippovic gewordenen Aufgabe bleiben. Den im Corps-Hauptquartiere eingelaufenen unbestimmten Nach­richten über die ihrem Wesen und Charakter nach noch ziemlich undefinirbare Volksbewegung in Sarajevo standen zahlreiche Anzeichen entgegen, welche wohl erwarten Hessen, dass die k. k. Truppen im Lande freundlich aufgenommen werden würden. So war am 25. Juli eine Deputation der Begs aus der Gegend von Dervent in Brod erschienen, die wegen Wahrung ihrer religiösen Interessen durch den Feldzeugmeister beruhigt, unter Hochrufen auf den österreichischen Kaiser der unbedingten Ergebenheit ihrer Standes­genossen, als echte Orientalen, in blumenreicher Sprache Ausdruck gaben. Doch lag des Zündstoffes zur Genüge im Lande, den ein Funke zum allgemeinen Brand entfachen konnte. Bei der kriegerischen, kampf­gewohnten Bevölkerung waren wilde Ausbrüche ungezähmter Leiden­schaft seit jeher häufig, leicht konnten diese sich nun gegen die k. k. Truppen wenden. An den eifrigsten Bestrebungen fremder Agitatoren fehlte es in dieser Richtung nicht. Die türkischen Beamten hatten die ganze Verwaltung in Händen. Voraussichtlich würden diese, in ihren persönlichsten Interessen sich durch das neue Regime bedroht sehend, trachten, diesem nur Schwierigkeiten zu bereiten, oder wenig­stens versuchen, durch Ausschreitungen und Erpressungen die letzten Stunden bis nun gänzlich uneingeschränkter Willkürherrschaft aus­zunützen. Viele Tausende türkischer Soldaten standen noch im Lande, und wenn auch von ihnen ein Widerstand unter den gegebenen Verhält­nissen nicht vorausgesetzt werden konnte, so war doch das Zusammen­8*

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