Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Österreichs Kriege seit 1495 (1878)

Schlussbetrachtung und statistische Übersicht der Kämpfe Österreichs

195 Schlussbetrachtung' und statistische Übersicht der Kümpfe Österreichs. Khöne und Marne, am Po, der Etsch, Tronto u. s. w. überall mit gleicher Tapferkeit. In den österreichischen Erbländorn liegt die grösste Dichtigkeit der Schlachten und Gefechtszonen im nordöstlichen Theile des König­reichs Böhmen, nicht minder an dor Südgrenze der Monarchie, dies- und jenseits der Save und Donau. Die am öftesten vom Kriege heim­gesuchten Länder sind das Königreich Ungarn und Siebenbürgen, und es ist, mit Ausnahme des östlichen Theiles der Marmaros, nicht ein Flecken Bodens in diesem Königreiche, dor nicht im Laufe so vieler Kriege von Feindes Fuss betreten worden, oder wo überhaupt nicht irgend ein Gefechtsfold aufzuweisen wäre. Von den 196 hier in Rode stehenden Kriogsjahren entfallen 74 Feldzugsjahre, in welchen die Kriege in den auswärtigen Reichen oder Ländern allein geführt wurden; in den übrigen 122 Foldzugs- jahren waren auch die österreichischen Erbländer selbst der Schau­platz kriegerischer Unternehmungen und Drangsale, ontwedor mit äussern Feinden oder bei innern Unruhen. Türkei. — Zu den härtesten und blutigsten dieser Kämpfe gehören unstreitig jene mit den Türken, zum Schutze der eigenen Erblande und der ganzen Christenheit überhaupt, bis zur gänzlichen Befreiung Ungarns von osmanischer Herrschaft. Die Kämpfe, welche die deutschen Kaiser aus dem Hause Habs­burg während fast drei Jahrhunderten mit don Türken durchzufechten hatten, waren seit ihrem Ursprung bis zum Kárlovicer (1699) und Passarovitzer Frieden (1718) blosse Defensivkriege. In diesen Kämpfen an der Donau und Theiss in Ungarn, in Serbien und Siebenbürgen galt es hauptsächlich die Wahrung und den Schutz der österreichischen Interessen, die Befreiung Europa’s von dem schmachvollen Joche asiatischer Barbarei. Erst im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts begannen die Offensivpläne gegen die Türken, um die Machtsphäre dos Osmanonthums zu beschränken und starke natürliche Grenzen zu erhalten. In diesen Kriegen nahmen die kaiserlichen Heere in 69 Feldzugs­jahren an 542 Actionen Theil, unter welche 22 Schlachten, 25 Treffen, dann 147 Gefechte, 106 Belagerungen und 242 sonstige Unterneh­mungen gezählt werden. Hiebei waren die kaiserlichen Waffen in 16 Schlachten, 19 Treffen und 107 Gefechten etc. Sieger. Die glän­zendsten und ruhmreichsten dieser Schlachten waren Stuhlweissen- burg (1593), Levencz und St. Gotthard (1664), Wien (1683), Nissa(1689), S lanka men (1691), Zent a (1697), Peterwardein (1716), Belgrad (1717) und als würdiger Abschluss die Schlachten bei Foksani und Martinesti (1789). In diesen genannten Schlachten allein erlitten die Türken einen Verlust von 136.000 Mann.

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