Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)
Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv
vom dreissigjührigen Kriege bis zur Gegenwart. 33 der Zeit, charakterisirt sich das militärische Bildungswesen in diesem Zeitabschnitte vornehmlich dadurch, dass die allgemein gütigen pädagogischen Hauptprincipien zu ihrer vollen Geltung gelangten, bei der Jugend die moralischen Kräfte zu entwickeln. Dazu trug ein gewisses und nothwendiges Mass von Freiheit in dem Verkehre mit der Aussen- welt bei, welches der der Instituts-Erziehung so leicht anklebenden Einseitigkeit als wohlthätiges Gegengewicht diente. Das Militär-Bildungswesen war durch all’ dieses nach jeder Richtung hin ein richtiges, d. i. naturgemässes geworden, indem nicht blos das Berufswissen, sondern auch das sociale Element seine vollste Berücksichtigung fand. Die Heeresleitung war sich eben dessen bewusst, dass der Officier in der Gegenwart nicht blos ein kenntnissreicher, sondern nach jeder Richtung hin gebildeter Mensch sein müsse, und wie gerade in moralischen Eigenschaften die rein militärischen Tugenden: Ehr- und Pflichtgefühl, Muth und Tapferkeit, ihre sicherste Basis finden. Den allgemeinen staatlichen und Armee-Verhältnissen gemäss, bestanden im vierten Zeitabschnitte: die militär-technische Schule, das Militär-Collegium, die technische Militär-Akademie, der höhere Genie- und Artillerie-Curs, der Central-Cavallerie- und Artillerie-Central-Equita- tions-Curs, die Neustädter Militär-Akademie, die Officiers-Schulen, der Central-Infanterie-Curs, endlich die Kriegsschule. Zu den Truppen- Schulen zählten jene Unterrichts-Anstalten, in denen die Vorbereitung zur Cadeten-Priifung erfolgte. Für die Heeres-Anstalten bestand der Intendanz-Curs, die Josefs- Akademie und das Thier-Arznei-Institut. Die Anstalten für Officiers- und Soldaten-Töchter blieben in dem Bestände wie im dritten Zeitabschnitte. Für die Kriegsmarine bestand das Marine-Collegium. Fünfter Zeitabschnitt. (Von der volkswirthschaftlichen Krisis bis zur Gegenwart.) Die fieberhafte Aufregung und das Hasten, welche während des vorhergegangenen Zeitabschnittes herrschten, hatten endlich ruhigen Erwägungen das Feld geräumt, der Gährungsprocess auf dem geistigen und volkswirthschaftlichen Gebiete war beendet, und der Strom in sein natürliches Bett zurückgekehrt. Die Überzeugung brach sich wieder Bahn, dass redliche Arbeit mit mässigem, ja kargem Lohne ein Gesetz sei, welches nicht ungestraft umgangen werden dürfe. Eine den Bedarf weit übersteigende Zahl junger Leute strebte den Eintritt in das Heer als Berufs-Officiere an und ermöglichte die sorgfältige Auswahl der Individuen. Die Militär-Bildungsanstalten wurden, so weit dies möglich, den Bedürfnissen der Zeit und der Armee angepasst. Ein weiteres Ziel war auch nicht anzustreben; denn ist für Österr. militär. Zeitschrift. 1878. (Mittheilungen des Kriegs-Archivs.) 3