Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. 83 des Municipalrathes von Florenz trug am 28. April dem Könige Victor Emanuel die Dictatur an, und Marchese Lajatico reiste am 10. Mai nach Paris, um dem Kaiser Napoleon anzuzeigen, dass das Aufgehen Toscana’s in Piemont der einstimmige Wille des toscanischen Volkes sei. In Wahrheit aber hat das von der Actionspartei ausgehende Streben nach der nationalen Einigung unter der Führerschaft Piemonts in keinem italienischen Lande weniger Glück gemacht als gerade in Toscana. Hier war der Cantonalgeist, getragen von den Erinnerungen an eine glänzende Vergangenheit, mächtig genug, die Hegemonie des fast geringgeschätzten Nachbarstammes sich nicht gefallen zu lassen. Überdies war die Mehrzahl des Volkes dem Hause des Grossherzogs, namentlich aber seinem Sohne, dem Erzherzoge Carl, aufrichtig zu- gethan; die in’s Werk gesetzte Umwälzung erfreute sich somit der Billigung der Majorität nicht. Die gegentheiligen Wünsche des Volkes fanden alsbald in drohenden Kundgebungen Ausdruck und nöthigten die provisorische Regierung zu Massnahmen, welche mit ihrem Programme im Wider­spruche standen und sie noch mehr in Misscredit brachten. Viele Gonfalonieri und der Polizei-Präfect von Florenz mussten ihres Amtes entsetzt, die Presse unter strenge Aufsicht gestellt, die Bevölkerung einer lästigen polizeilichen Überwachung unterzogen, und die Truppen, von denen man mit Recht eine Erhebung besorgte, aus der Hauptstadt entfernt werden. Unter dem Rufe: „Evviva il Granduca!“ verhessen letztere die Stadt, und trotz aller Anstrengung des Ober-Commandanten Generals Ulloa griffen Indisciplin, Meuterei und Desertion immer mehr um sich. Auf Fahnenflüchtigkeit wurde die Todesstrafe gesetzt und auch mehrfach vollzogen; aber alle in Anwendung gebrachten drastischen Mittel erwiesen sich als ohnmächtig, dem Zersetzungsprocesse Einhalt zu thun. Die Armee, welche seit dem Ausbruche der Revolution 10.000 Freiwillige in sich aufgenommen hatte, zählte am 1. Juli nur 8000 Mann. Auch unter der Bevölkerung steigerte sich der Widerwille gegen die neue Ordnung in gleichem Masse. In mehreren Städten stiessen die Regierungs-Massnahmen auf Widerstand, und von allen Seiten ge­wahrte man Anzeichen, dass die Gegen-Revolution nur eines günstigen Momentes harre, um die Usurpation abzuschütteln. Unter solchen Umständen sah sich die Regierung nothgedrungen, französische Truppen nach Toscana zu berufen. Kaiser Napoleon, welchem Angesichts der im Namen des toscanischen Volkes votirten Einverleibung Toscana’s in Piemont nur noch die Wahl einer reactio- nären Bewegung übrig blieb, glaubte dem Übel am besten dadurch abzuhelfen, dass er die Operationen des Prinzen Napoleon gegen Parma und Piacenza auf Toscana basirte, während der französische Gesandte

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