Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino

86 Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino. gegen das Castell von Solferino geschwächt waren, so vermochten sie nicht ausreichend zu wirken. Würde der Vormarsch des 1. Armee-Corps ungetheilt und mit allen vier Brigaden vereint in die linke Flanke des 5. Armee-Corps bei Solferino begehrt und bewirkt worden sein, so hätte dies der vor­waltenden Absicht der Unterstützung besser entsprochen, und das Corps wäre nicht der Zersplitterung preisgegeben worden. Auf den vom 1. Armee-Corps aufgegebenen Punkten concentrirte der Feind rasch seine Massen, drückte dessen Abtheilungen zurück und bedrohte hiedurch die linke Flanke des Nachbar-Corps. Dessen­ungeachtet setzten die Truppen des 5. Armee-Corps den 'Kampf bei Solferino mit aufopfernder Tapferkeit fort, denn noch konnte diese Position behauptet werden, wenn das 7. Armee - Corps die rechte Flanke der gegen Solferino vordringenden feindlichen Colonne anfiel. Doch von diesem Heerestheil, dessen Geschütz-Reserve gar nicht auf das Schlachtfeld gelangte, erschien nur Eine Division spät und in zu ausgedehnter und refusirter Stellung hinter dem 1. Armee-Corps aufmarschirt und war jetzt umsoweniger in der Lage, dem Stosse des Gegners lange zu widerstehen, als sie den Angriff eines neuen feindlichen Corps abzuwehren hatte. Hiedurch in der linken Flanke gänzlich entblösst und von allen Seiten angefallen, musste auch das 5. Armee-Corps nach siebenstündigem heldenmüthigen Ringen die Position von Solferino räumen und gegen Pozzolengo weichen. Die rechtzeitige Heranziehung des 7. Armee-Corps in die Gegend von Solferino zur Verstärkung und Aufnahme des 5. Armee-Corps hätte den Verlust dieses Schlüsselpunktes im Centrum der österreichi­schen Aufstellung wahrscheinlich abgewendet. Durch Festhaltung Solferino’s im Centrum aber würde mit Hinblick auf den rechten Flügel, welcher das Schlachtfeld von S. Martino, und auf den linken Flügel, der das Schlachtfeld bei Guidizzolo behauptete, die Schlacht nicht verloren worden sein, — sie wäre mindestens unentschieden geblieben. Uber die Gefechtsverhältnisäe bei Solferino im Centrum der österreichischen Schlachtlinie äussert sich das früher erwähnte preussische General stabs werk wie folgt: „Gerade in dem gefährlichen Momente, wo die Franzosen zwischen 12 und 1 Uhr einen erneuten, nunmehr durch die Garden unter­stützten Angriff auf Solferino begannen, schritt man auf österreichischer Seite zu der bedenklichen Mass regei einer Ablösung durch frische Kräfte. Seit acht Stunden im Feuer, sollte die Brigade Bils zuerst zurückgezogen werden, dann sollten die Brigaden Puchner und Festetits folgen.“

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