Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino

Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino. 63 dormers und die Übersicht des Schlachtfeldes in den Morgenstunden verhinderten. \&­Die Darstellung des Zusammenstosses vom 24. Juni in dem Werke des k. k. Generalstabes, welche den Einblick in das Werden der Conjuncturen bezüglich der feindlichen Massnahmen und in das Feststellen der entsprechenden Entschlüsse bezüglich der Anordnungen der Hauptquartiere aller österreichischen Armeetheile darbietet, weist mit grosser Objectivität nach, dass in dem verspäteten Aufmarsch der Hauptmassen, in verspätetem Heranziehen und unzweckmässiger Verwendung der Reserven, daher in Versäumniss mit Bezug auf rasche Bewegung und Entwicklung, in Versäumniss bei Formation com­pacter Schlachtkörper, in Versäumniss von Verwendung ausgiebiger Geschützkraft, mithin zum grossen Theil in taktischen Fehlern der ungünstige Ausgang der grossen Waffenentscheidung liegt. Es kann weder geleugnet, noch mit Schweigen übergangen werden, dass — wie schon angedeutet wurde — .die aus Ver­pflegungs-Rücksichten dem österreichischen Heere zur Vorrückung am 24. Juni bestimmte „zu späte Aufbruchsstunde“ die. Hauptursache war, dass die strategische Absicht der Armee-Oberleitung durchkreuzt wurde. Der Gegner, welcher um sieben Stunden früher auf brach, kam uns im Angriffe zuvor, — der Zusammenstoss fand nicht an den beabsichtigten Punkten an dem Chiese-Flusse statt, — die Österreicher wurden in ihren Lagerstellungen überfallen.^ Obgleich die beiden Armee-Commandos, durch die Recognoscirungs- Berichte des Majors v. Appel aufgeklärt, in Kenntniss waren, dass sich der Feind am 23. Juni mit starker Macht im Mincio-Terrain festgesetzt hatte, so scheint dies doch den Corps-Commandanten nicht bekannt gewesen zu sein. Nur dem 5. Armee-Corps bei Solferino war es in der günstigen, den vollen Ausblick über das vorliegende Gelände gewährenden Position der „Spia d’Italia“ schon am 23. Juni wahrscheinlich geworden, dass der grösste Theil der feindlichen Streitmassen das linke Ufer des Chiese-Flusses bereits gewonnen habe, und dass es am 24* Juni zur Schlacht kommen könne. Die andern Heerestheile, welche hievon keine Mittheilungen erhielten, begnügten sich mit der Thatsache, dass man im Vormarsch nirgends auf den Feind gestossen sei, und ver- mutheten daher nicht, dass der Gegner am 24. Juni Morgens zum Angriff schreiten würde. Nirgends ist das, «doch in den einfachsten Fundamental-Grund­sätzen der Kriegführung ausgesprochene Streben, über den Feind Kenntniss zu erlangen, zu Tage getreten. Bei keiner Gelegenheit sehen wir die Cavallerie an den Feind vorgeschoben; der Sinn für Patrullen-Streifungsdienst etc., wie ihn unsere Väter zum Ruhme und

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