Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Heinrich Du Val Graf von Dampierre, Freiherr von Mondrovillia, kaiserlicher General-Feldwachtmeister, Kämmerer, Kriegsrath, Ritter des Ordens de Santa Militia und Oberst-Inhaber eines Cürassier-Regiments. Ein Beitrag zur Geschichte der I. Periode des dreissigjährigen Krieges
80 Heinrich Du Val Graf von Dampierre. kaiserlichen General zuzuführen, und er war eben wieder zu jener Zeit im Begriffe, einem solchen Befehle nachzukommen, als der Graf Mathias Thurn in Österreich eingedrungen war und die schwach besetzte Residenzstadt bedrohte. Eiligst wurde daher Dampierre beordert, „mit dem hungarischen Kriegsvolk nach Budweis zu rucken, das ausländische aber sammt den Tschaiken herunter (nach Wien) zu schicken“. In Folge dessen übergab Dampierre die Compagnien seines Regimentes, welche für die verlässlichsten gehalten wurden, dem nach Wien zurückkehrenden Sainthilliére 1). Unterdessen hatte Thurn bereits die Donau überschritten, wodurch die Gefahr für Wien und den Kaiser auf’s Äusserste stieg. Während ein neuer Befehl dringend die nöthigen Verstärkungen forderte, schiffte sich Sainthilliére auch schon mit seinen Cürassieren bei Krems auf den ihn daselbst erwartenden Tschaiken ein, welch’ letztere er schon früher auf kaiserlichen Befehl dahin abgesendet hatte. Die Landung bei Wien wurde angesichts des Feindes und unter sehr gefahrvollen Umständen bewirkt. An der Spitze dieser Reiter nun drang der genannte Arsenal-Hauptmann durch das Fischerthor in die innere Stadt und sprengte unter hellem Trompetenschall, die Cürassiere mit dem Faustrohre in der Hand, en combattant in die Burg, hier „als Engel vom Himmel für Ferdinand, Boten des Schreckens für die Meuterer, die betäubt aus Wien schlichen“, erscheinend. Ein allgemeiner Umschwung trat ein; Bürger und Studenten bewaffneten sich; Thurn vermochte die Stadt nicht zu nehmen, — er hatte den günstigen Moment versäumt. Gilbert de Sainthilliére empfing zum Danke für diese rechtzeitig gebrachte Hilfe und seine sonstigen Verdienste überhaupt den Freiherrnstand (9. Mai 1620); sein Wappen ward zur immerwährenden Erinnerung mit dem gekrönten Doppeladler geschmückt Sainthilliére gehörte einer fast 400 Jahre alten adeligen Familie an und befand sich schon seit seinem 14. Jahre in den Diensten Kaiser Rudolfs. „Ritterlich, männlich, treu, eifrig, aufrichtig, redlich, nützlich und erspriess- lich“ wirkte er, wie es in seinem Freiherrn-Diplome heisst, zuerst in Hofdiensten, später als tapferer Krieger, wider den Erbfeind christlichen Namens in unterschiedlichen Feldzügen in Ungarn, dabei er sich jederzeit in allen fürgeloffenen Occasionen mit willigster Darstellung und Zusetzung Leibs, Guts und Bluts ganz ritterlich, männlich und tapfer *) Hiemit ist die oft aufgetauchte, jedoch nie oder unrichtig beantwortete Frage: wer diese Cürassiere gesendet, erledigt. 2) Alle diese Daten, genau den hofkriegsräthlichen Acten des Registraturs- Archives im k. k. Reichs-Kriegsministerium entnommen, berichtigen auch einzelne Angaben Hurter’s über denselben Gegenstand in seiner Geschichte Kaiser Ferdinand’s II., Band VII, pag. 557 ff. Es geht aus jenen hervor, dass er die erwähnten Acten, wie leicht möglich, nicht benützt hat, da ihre Existenz überhaupt wenig bekannt war.