Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Die Schlacht von Königgrätz

Die- Schlacht von Königgrätz. 45 Diese mit entschiedener Bestimmtheit zum Ausdruck gebrachte Meinung erscheint um desto befremdlicher, als sie sich im Wider­spruche mit den Thatsachen sowohl, als mit den im Werke selbst enthaltenen Anschauungen befindet. Wenn es auch richtig wäre, dass die österreichische Reiterei „total culbutirt“ wurde, so könnte diese That doch nicht auf Rechnung der preussischen Cavallerie allein gesetzt, sondern müsste auf alle drei Waffen indossirt werden. In dieser Beziehung dürfte wohl die vom Autor selbst, wie oben angeführt, bei Beschreibung der Einzelkämpfe ausgesprochene Kundgebung mass­gebend sein, wonach die österreichischen Cürassiere und Uhlanen nur durch das preussische Infanterie- und Artillerie-Feuer zum Abzug genöthigt wurden. Die Rückzugs-Bewegung der k. k. Cavallerie-Divisionen Prinz Holstein und Graf Coudenhove erfolgte erst dann, als die preussischen Reiter-Regimenter aus dem Felde geschlagen und unfähig gemacht worden waren, den Rückmarsch der in hohem Grade bedrängten eigenen Infanterie zu behindern und die Früchte des Sieges durch Verfolgung der fliehenden Trümmer einzuheimsen. Dieser Argumen­tation bedient sich auch der Verfasser, indem er auf Seite 380 bis 381, wie folgt, schreibt: „So war denn der Deich an der Bistritz zuerst von dem Theile der Armee durchbrochen worden, der am thätigsten und wirkungs­vollsten gegen ihn angekämpft und gebrandet: von der Infanterie; die bedeutungsvollsten Gefechte der Verfolgung fielen aber, wie das in der Natur der Waffen liegt, weder ihr noch der Artillerie zu; sie mussten vielmehr von der Cavallerie ausgefochten werden.“ Ähnlichen Gedanken und Erwägungen begegnet im Übrigen „Jähns“ in allen ausserpreussischen Schriften über den Krieg von 1866, und würde er aus dem Werke: „Rückblicke auf den Krieg 1866“, welches er öfter citirt, auf Seite 407 nicht allein den Vorsatz, sondern auch den Nachsatz reproducirt haben, so hätte er die in Österreich über die Reiterkämpfe bei Königgrätz herrschende Ansicht zum Aus­druck gebracht. Der Nachsatz nämlich lautet: „Die beiden im Gefecht gewesenen k. k. Cavallerie-Divisionen Prinz Holstein und Coudenhove hatten nicht eine geschlagene Armee zu verfolgen, sondern ein siegreiches Heer von der Verfolgung abzuhalten. Wer wagt es, in Abrede zu stellen, dass dieser Zweck vollständig erreicht wurde. Die preussische Reiterei, welche mit der Absicht sich vordrängte, auf die zersprengten Theile unserer im Rückzuge begriffenen Armee loszustürzen und einzuhauen, um sie wo möglich aufzureiben und zur Waffenstreckung zu zwingen, sah sich argen Täuschungen ausgesetzt. Von unserer Cavallerie angefallen und überrannt, ver­schwand sie nach der Attaké gänzlich. Hätten die preussischen und

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