Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Moriz Edlen von Angeli: Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart

Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart. 105 Da nun auf diese Art der Rückzug einhellig beschlossen war, so marschirte das Corps noch am selben Abende nach Dippoldiswalde ab. Noch weit summarischer aber votirte die Generalität desselben Corps im Kriegsrathe vom 24. Juni, als es sich um einen, auf Befehl des FM. Serbelloni, von Dippoldiswalde aus gegen das feindliche Lager bei Pretschendorf zu unternehmenden Angriff handelte. Hier fand es FZM. M a q u i r e für angezeigt, seiner Proposition die Form einer detaillirten, eingehend motivirten Disposition zu geben, und die Generale entschlugen sich, angesichts solch’ überzeugender Vorlage, jeder sepa­raten Abstimmung und vereinigten sich zu nachstehender Erklärung: „Wir Endesunterschriebene Generals bekräftigen den Beyfall, welchen Wir dem, von Sr. Exellenz dem Herrn FZM. Graf M a q u i r e hierüber gemachten Vortrag per unanimia in allen Stücken geben, mit dem einigen Beysatz, dass diese Attaque nicht anders statt haben könne, als in dem Fall, dass auch das Hülsen’sche Corps mit allen Kräften attaquirt werde und folglich dem Prinzen Heinrich keinen Succurs zuzuschicken vermag1)“. (Folgen die Unterschriften von zehn Generalen.) Dieselbe Unternehmung liefert auch das Gegenstück zu den beiden angeführten Beispielen von Kriegsraths-Resultaten. Es scheint, dass man im Hauptquartier des FM. Serbelloni über die Durchführung der Operation nicht schlüssig werden kennte, denn dieser berief schon am 25. Juni die sämmtlichen Generale beider Corps, des bei Dresden und des bei Dippoldiswalde stehenden, zu einem gemeinschaftlichen Kriegsrathe nach Windisch-Carsdorf, in Folge dessen FZM. Maquire eine im Detail ausgeführte Angriffs-Disposition, als Resultat der Berathun­gen aller Generale, am 26. Mittags per Estaffete an FM. Serbelloni nach Dresden schickte. Allein derselbe stiess das Votum um und gab neue Dispositionen, welche auch ohne weitere Conferenzen ausgeführt wurden. „Diesem Befehl ist in Allem nachgelebet worden“, berichtet Maquire an FM. Daun. Schon aus diesen wenigen Daten lässt sich zur Genüge entnehmen, wie wenig der Kriegsrath zu jener Zeit seinem eigentlichen Ziele nahe kam. Es war fast zur allgemeinen Regel geworden, den Kriegsrath vor jedem Unternehmen einzuberufen, auch wenn, wie jener zu Frei­berg am 11. Mai zeigt, die Verhältnisse so klar waren, dass es eigent­lich gar keine Veranlassung zur Berathung gab. Die weitwendige Schreibseligkeit jener Periode schuf ^umfangreiche Kriegsraths- Protokolle, erschwerte dadurch die Functionen des ohnehin nicht sehr Licht zu handhabenden Organismus des Oberbefehles, und so wirkte die ganze Institution lähmend auf die Kriegführung, ohne etwas Wesentliches zum Erfolge beizutragen. Die vielen Ubelstände, welche *) *) Es ist zu bemerken, dass die in dem „Beisatze“ gestellte Bedingung schon von FZM. Maquire in seinem Vortrage an die Spitze gestellt wurde. (Kriegs-Archiv; Feldacten 1762, Fase. V.)

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