Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 9. (Wien, 1821)

häßlichen Gestalt gezeigt, und ihnen vorgestellt werden, wie der Mensch dadurch zum Sporte werde, sich unter das Vieh herabwürdige, seine Pflichten vernachlässige, seine Gesund­heit zerstöre u. s. w. Mit eben so grellen Farben muß ihnen das elende Loos des Spielers geschildert werden, wie oft er in Noch und Verzweifelung gestürzt, und zu den schändlichsten Handlungen verleitet werde. Alle Karten, Würfel oder sonstigen Spiele, bey denen Eigen­nutz sich des Spielenden bemet (lett, wohin auch Welten gehören, müssen daher nicht allein den Knaben, sondern auch vorzüglich den «Aufsehern und Wärtern auf das strengste untersagt werden, indem sonst das böse Beyspiel alle besseren Lehren fruchtlos machen würde. Be­sonders aber müssen der Inspections - Officier und die Aufseher auf das Laster der Onanie (Selbstbefleckung) aufmerksam seyn, welches leider so häufig in öffentlichen Urtter- richtsanstalteu um sich greift, den ganzen Organismus der Kinder zerstört, und alle Leibes-und Seelenkräfte zerrüttet. Strafe ist hierin nicht das wahre Mittel zu bessern, sondern nach­drückliche und fürchterliche Vorstellungen, jedoch immer nur unter vier Augen, indem den übrigen Knaben dieses Laster selbst dem Nahmen nach unbekannt bleiben muß. Zur möglich­sten Hintanhaltung desselben müssen die Aufseher nicht gestatten, daß sich ein oder zwey Knaben zusammen, ohne Nothwendigkeit, in abgesonderte Orte verbergen. Zn solchen Fällen muß ihnen sogleich nachgespürt, und wenn sie auf einer Unrechten That ertappt werden, ihnen die Schändlichkeit des Lasters mit Religrons- und physischen Gründen vorgehalten, und die Folgen desselben erklärt werden. Solche Knaben müssen sodann immer im Auge behalten, nicht einen Augenblick müssig gelassen, und vorzüglich zu harten Arbeiten in freyer Luft an gehalten werden. Lassen auffallende Veränderungen in der Gesichtsfarbe oder Schwäche des Körpers des Knaben schon eine längere Bekanntschaft mit diesem Laster vermuthen, so muß dem Arzte der Umstand entdeckt, und sich weiter nach seiner Vorschrift benommen werden. Bessert sich ein solcher Knabe nicht bald, so ist er lieber ganz aus dem Erziehungshause zu schaffen. !• 9470. Eine HaupmothWendigkeit in der Erziehung ist es, daß die Lehrer und Vorgesetzten sich das Vertrauen und die Anhänglichkeit der Kinder zu erwerben suchen. Sie müssen daher die ihnen unvertrauten Zöglinge mit väterlicher Fürsorge behandeln, sie mehr durch Wohl­wollen, als durch Strenge lenken und besonders mit den Schwächeren Geduld haben, ihnen die Sachen so faßlich und deutlich als möglich vortragen, und erst dann zur, Bestrafung schreiten, wenn schon alle Wege der Güte fruchtlos sind; denn obgleich eö nothwendig ist, die Knaben an eine wohlgeordnete Militär-Disciplin zu gewöhnen, so muß doch erwogen werden, daß übertriebene Eingezogenheit und Strenge der Jugend Munterkeit und Fröh­lichkeit benehmen; sie kleinmüthig, furchtsam, ängstlich und schwach machen; nebst der Ge­sundheit ihren moralischen Charakter verderben, und sie veranlassen, um den Strafen zu ent­gehen, tückisch, heuchlerisch und boßhaft zu werden. tz. 947'­Die Kinder können gewöhnlich durch Belohnungen mehr als durch Strafen zur Erfüllung ihrer Pflichten angecifert werden. Wenn daher ein Knabe durch gute Aufführung, Fleiß und Geschicklichkeit sich die Zu­friedenheit feiner Lehrer und Vorgesetzten erworben hat, so muß ihm solche öffentlich in der Schule bezeiget, und zugleich seine gute Ausführung in den Schul-Catalog eingetragen wer­den , wobey bem Knaben knnd zu machen ist, daß dieser Catalog monathlich dem Regi­ments - Commandancen und dem Brigadier, wenn er das ErziehungShaus nfitírt, vorge- legr werde. Au ch hat der Lehrer dem Infpections-Officier, und dieser dem Regiments - Comman- bernten und den übrigen Stabs-Officieren, so wie dem Brigadier, wenn sie das Institut besuchen, tue besonders fleißigen und gesitteten Knaben vorzuführcu, damit auch diese sie be­loben, und in ihnen Eifer und Ehrgefühl erwecken. Benehmen des rkufstHts- tmb Lehr-Persenal» gegen die Kna­ben. Hkch. KM 1. Feb- 8ie, Wm, Mittel, die DiKlung der Än»; freu zu befördern ->) Anetferung Curd' Delvh- mm<v;

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