Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 6. (Wien, 1821)
Sind die Laden niedrig, rund, fleischig, mithin weniger empfindlich, so muß, und besonders, wenn auch die Zunge dick wäre, durch Ausschweifung des Mundstückes derselben mehr Freyheit gegeben, und das Eisen an beyden Enden gegen den Zapfen dünner, mithin für die Laden empfindlicher eingerichtet werden. Sind die Lefzen zu dick und voll Muskeln, daß sie die Wirkung des Mundstückes auf die Laden verhindern, so muß das Mundstück weiter, als gewöhnlich, gewählt werden, weil durch die weitere Entfernung der Stangen sich die Lefzen ausbreiten, und daher die Gewalt bes Mundstückes von der Wirkung auf die Laden abzuhalten verlieren. Sollte auch dieses Mittel nicht hinlänglich abhelfen, so gibt ein halbmondförmiger Bogen von Blech oder Eisendraht sichere Abhülfe. Der angemessene Ort, wo das Mundstück aufliegen soll, ist ein Zoll von den.Hakenzähnen, in der Richtung gegen die Backenzähne. Ist nun das Maul zu kurz gespalten, wodurch das Mundstück dem Hakenzahne näher, folglich auf den empfindlichsten Theil der Laden zu liegen Kommt, so muß das Eisen gegen die Enden des Mundstückes dicker, und im Gegen- theile bey einem tief gespaltenen Maule, wo die Laden immer minder empfindlich werden, dünner eingerichtet seyn. Damit das Pferd mit der Zunge das Mundstück bewege, und dadurch das Maul erfrischt werde, sind Walzen, oder in der Miete des Mundstückes ein kleines Spiel sehr dienlich. Die Kinnkette, als eine einfache Panzerkette betrachtet, muß in ihrer*natürlichen Flache nicht zu scharf, und nicht zu locker aufgelegt, auch nicht verdreht, sondern dergestalt angebracht werden, daß sie beym Anziehen des Zaumes ihre Lage nicht ändere, und nicht in die Höhe steige. Der Mann muß demnach mit den ersten Fingern der linken Hand von vorn unter den oberen Theil der Stange fahren, und mit diesem und dem Daumen den Haken halten; er fährt sodann mit der rechten Hand unter das Kinn, bis zu dem Langgliede, wo die Kette fest gemacht ist, zu der rechten Seite der Stangen, und dreht die Klnnkette Glied für Glied, bis sie flach wird, und sich nicht mehr drehen laßt; dann legt er sie von oben abwärts in den Haken, daß das dicke mittlere Glied in der Kinn kette nicht zu locker und nicht zu scharf anUege. D ie Lage der Kinnkette ist der ausgehöhlte Theil am Kinne; um sie aber daselbst zu erhalten, müssen die beyden Haken eine gleiche Länge haben, und nicht länger seyn, als daß sie zu dem oberen Therle oder höchstens zu dem Mittelpuncte des Zapfens reichen und herab langen. Die Kinnkette muß nicht zu lang eingelegt werden, sonst ist sie unwirksam, und macht das Mundstück durchfallen; nicht zu kurz, sonst wird sie unerträglich, und die Theile, worauf sie beständig drückt, werden in der Folge unempfindlich. Sie muß tcmnadH0 eingelegt werden, damit das Pferd ben unteren Theil des Maules frey bewegen könne, mit dem Mundstücke hinreichend freye Spielung behalte, und daß man unter der Kinnkettengrube, wohin die stärkeren Glieder der Kette gehören, mit dem Daumen durchfahren könne. Das Hauptgestell nebst den Zügeln hat die Absicht, das Gebiß in der ihm angewiesenen erforderlichen Lage im Kopfe des Pferdes fest zu halten, und mit der Faust des Reiters zu verbinden. In dieser Absicht sollen demnach die Backenriemen das Auge der Stange mcht zu sehr ausfüllen, und dadurch di»'Beweglichkeit und Spielung des Mundstückes hemmen, im Gegenrheile aber auch nicht zu großen Spielraum geben, und dadurch zum Durchfallen der Stange beytragen Der Nasenriemen muß fest, desto lockerer aber der Kehlriemen seyn. Ueberhaupt müssen alle Theile des Hauptgeftelleö dergestalt unter einander überein stimmen, daß kein Theil auf die Unrechte Lage der Stangen Einfluß nehme. tz. 6a63. Die Hauptbeobachtungen b e y m Satteln bestehen darin, daß der Sattel überall gleich aufliege, um an keinem Theile das Pferd zu drücken; daß er nach dem Baue des Rückens, nachdem dieser magerer, schärfer, dicker oder runder ist, mehr oder weniger gewölbt Land vr. 7° * Von den Dienstvferden. Som ©űtteírt. «m i. 807.