Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.

Texte

71 Sie gingen zum Padischah und erzählten es ihm. Der Padischah war erstaunt. "Jetzt gibt es keinen anderen Ausweg, jetzt muss ich ihm meine Tochter geben", dachte er lange bei sich. Als die Tochter sah, dass das, was der Vater vom Jungen verlangte, in Erfüllung gegangen war, begann sie den Vater zu drängen: "Jetzt gib mich ihm [zur Frau]" Der Padischah sprach sein Wort aus wie einen abgeschossenen Pfeil, sobald es erklang, begannen sie das Hochzeitsfest zu bereiten. Der Tag verging, nach dem Tag [77] die Nacht, der Tag der Hochzeit ist gekommen. Der Padischah versammelte alle seine Untertanen und dachte, er werde diese letzte Hochzeit vortrefflich vor­bereitet verbringen. Das Volk strömte zusammen, die Trommel wurde ge­schlagen, die Trompete geblasen, die Tischdecken ausgebreitet, Teller, Löf­fel in Reihe gelegt, Kumis eingeschenkt, wenn es nicht genug war, melkten sie die Ochsen und bereiteten in Eimern auf Vorrat. Den Burschen zogen sie für das Hochzeitsfest an und riefen ihn an den gedeckten Tisch, doch der Bur­sche sagte: "Ich bin Diener, ich schäme mich, dorthin zu gehen, mir ist auch die Küche gut genug", und er war nicht geneigt, dorthin zu gehen. Nun, mit Gewalt kann man nichts machen, sagten sie, und sie schmückten für den Bur­schen die Küche mit dem und jenem, hingen Vorhange an, nagelten Bordüren an, hängten ein Fliegennetzt auf, legten zwei Schichten Matratzen nieder, stellten die nötigen Teller, Schüsseln, Geschirr, mit warmem Wasser ge­füllte Schnabelkannen hin. Sie zogen das Mädchen an legten ihr den Kopfschmuck an Ohrringe, schminkten sie mit Gesichtsschminke, malten sie mit weisser Farbe an, die Zahne schmückten sie mit schwarzer Farbe, [78] setzten ihr ein geblümtes Kopftuch auf den Kopf, die Haare flochten sie zu Zöpfen, legten eine Perlenkette um ihren Hals, zogen ihr ein ausgeschmücktes Brusthemd an, zogen ihr Filzpantoffel an, die eine Gesichtshälfte wie die Sonne, die andere wie der Mond, sie wurde so glänzend gemacht und zu dem Burschen geführt. Der Bursche und das Mädchen trafen sich und beide fanden ihre Ruhe. Die Nacht verging, der Bursche wurde Ehemann, das Mädchen eine junge Frau. So vergingen die Hochzeitstage, sie begannen als Mann und Frau zu leben. Der Bursche sagte nicht, wer er ist, weder über Gutes noch über Übles sprach er. Die Tage vergingen mit Essen und Trinken, als eines Tages der Padi­schah plötzlich einen Brief erhielt. Sie lasen den Brief und als sie ihn gele­sen haben, waren sie starr, sie begriffen, dass man sie wissen liess, dass in den nächsten Tagen der böse Geist eines Drachens mit vierundzwanzig Köp­fen gegen sie in den Kampf ziehen wird. Als der Padischah das hörte, er­schrak er gewaltig, die Ruhe seiner Tage war dahin, er begann, sich auf den Kampf vorzubereiten. Er versammelte alle Untertanen, verfertigte Waffen, und während sie die Welt auf den Kopf stellten und sich vorbereiteten, schickte der jüngste Schwiegersohn seine Frau zu ihrem Vater: "Ich will in den Wald gehen, Bäume fällen, ich werde ein Haus bauen, denn es passt sich nicht für uns, [79] hier zu wohnen." Als die Tochter zum Vater ging und ihm das sagte, schalt sie der Padischah: "Jetzt ist nicht das Haus meine Sorge, was redest du? ! Aber wenn dem nun so ist, geht er, so soll er gehen, soll er aus dem Stall ein räudiges

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