Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.
Texte
67 seine Klage: "Hei, Väterchen, so ist meine Lage, man hat mir befohlen, sie bis zum Abend gut zu füttern, und wenn es Abend wird, hundert auf zweihundert vermehrt, nach Hause zu kommen." Der Alte sagte: "Hei, mein Kind, du kennst mich nicht, aber ich kenne dich sehr gut, du hast mich vor dem sicheren Tod gerettet, du hast aus der rechten Brusttasche deiner Mutter den Schlüssel gestohlen, das Eisenschloss geöffnet und mich herausgelassen. Nim, für deine Güte [72] werde ich Jetzt dir, solange ich am Leben bin, wie ich nur kann, helfen", so gab er sich dem Jungen zu erkennen. "Wegen deiner Schafe sorge dich nicht, wir werden auch für sie einen Ausweg finden, das werde ich für dich tun, die werden nicht zweihundert, sondern auch dreihundert sein", tröstete er den Jungen. Sie standen vom Essen auf, der Alte strich dem Junge über den Kopf, über die Augen und sie begaben sich zu den Schafen. Sie kamen zu den Schafen. Der Alte befahl dem Jungen, die Schafe zu zählen. Der Junge dachte, ich zähle hundert, [aber] vor sich fortziehen lassend zählte zweihundert. Da wurde es schon Abend. Der Alte sagte: "Mein Kind, nun, es wurden zweihundert Schafe, diese wirst du jetzt nach Hause treiben in den Stall, doch damit ist die Sache noch nicht beendet. Morgen wird er dir wieder zweihundert geben und befehlen, vierhundert nach Hause zu treiben, doch du gräme dich deshalb nicht, jetzt werde ich hier meinen Stock in die Erde bohren, du wirst deine Schafe wieder hierher treiben und ich werde wieder herkommen." Der Junge trieb die Schafe zurück, der Alte bohrte den Stock in den Boden und ging seines Wegs. Der Junge brachte eiligst die Schafe zurück, sie zählten die Schafe, genau zweihundert kamen zurück. Sie gingen zum Padischah und sagten es ihm, der Padischah glaubte es nicht, er ging selber hinaus und zählten die Schafe, genau zweihundert Schafe waren da. Der Padischah wunderte sich sehr, doch das Mädchen [73] tanzte vor Freude. Der Padischah ging zu seinen Schwiegersöhnen und erzählte ihnen die Sache, auch sie waren erstaunt und Furcht befiel sie. Die Schwiegersöhne sagten zum Padischah: "Damit soll die Sache noch nicht beendet sein, gib ihm morgen zweihundert und befehle ihm, dass er vierhundert nach Hause bringt. Der Padischah befolgte diesen Rat, und befahl, ihm am nächsten Tag nach dem Aufstehen zweihundert zu geben. Am nächsten Morgen wurde der Befehl des Padischahs pfeilschnell durchgeführt. Der Junge trieb die Schafe mit der Peitsche an, ging und liess sie am gestrigen Platz angekommen laufen. Ohne Verspätung kam auch der Alte an, traf mit dem Jungen zusammen und fragte ihn nach seinem Ergehen. Der Junge sagte, wie es um die Dinge steht. Der Alte sagte: "Mein Kind, wegen der Schafe mache dir keine Sorgen, zuerst iss dich satt", und wieder legte er das Tuch auf und sie assen. Die Sonne begab sich schon zur Ruhe. Der Alte befahl wieder dem Jungen, zu den Schafen zu gehen und sie zu zählen. Der Junge zählte sie und die Zahl der Schafe wuchs auf vierhundert. Der Alte sagte: "Morgen werden sie dir wieder befehlen, die vierhundert auf sechshundert zu vermehren, doch du gräme dich deswegen nicht, wenn ich gesund sein werde, wird alles sein, du bringst sie wieder an diese Stelle und lässt sie laufen, wenn ich lebe, werde auch ich kommen." Der