Zs. Kakuk , I. Baski (Hrsg.): Kasantatarische Volksmärchen: Auf Grund der Sammlung von Ignác Kúnos.

Texte

Ill nem Haar." Nach einem Monat Krankenlager starb sie. Die Worte seiner Frau befolgend, begann der Padischah eine goldhaarige Frau zu suchen. Er durchstreifte die ganze Welt und da er eine solche Frau nicht finden konnte, wollte er seine eigene Tochter zu Frau nehmen. Doch das Mädchen willigte keineswegs in die Sache ein. Andere rieten dem Mädchen: "Bitte dei­nen Vater um drei Arten von Hemden, das eine soll so sein wie der Mond, das zweite wie der Stern und das dritte wie die Sonne. Wenn dein Vater diese Hemden finden sollte, dann wirst du seine Frau, wenn du keine Lust hast, dann fliehst du", sagten sie. Als seine Tochter diese Worte sagte, der Padi­schah stellte diese Hemden fertig, wie seine Tochter es wünschte. Der Padi­schah erfüllte diesen, doch das Mädchen interessierte das nicht, und als der Vater nichts wusste, nahm sie die Hemden und floh aus dem Haus. Sie weilte an vielen Orten, in ferne Länder [126] gelangte sie und kam in eine grosse Standt. Der Padischah dieser Stadt hatte die Angewohnheit, dass er jeden, der in die St adt kam, sei es ein Mann oder eine Frau, persönlich in Augenschein nahm. Wie sehr auch das Mädchen den Augen des Padischahs entkommen wollte, es gelang ihr nicht und schliesslich führte man auch sie vor den Padischah. Als der Padischah das Mädchen erblickte, befahl er es zu ihm zu führen: "Diese wird in unserem Schloss Köchin sein." Das Mädchen wurde in das Haus des Padischahs gebracht. Das Mädchen zeigte nicht, was es gebracht hatte, und damit sie nicht sehen, dass sie goldenes Haar hat, trug sie immer ein Kopftuch. Viele Monate sind vergangen, eines Tages veranstaltete der Padischah ein grosses Fest. Am Tisch waren viele Menschen. Aus vielen auslandischen Ländern sind Männer und Frauen gekommen. Da kochte das Mädchen die Speisen. Das Volk (die Gäste) sassen in Gruppen zusammen. Zunächst spielten sie allerlei Spiele, dann setzten sie sich zum Essen. Das Mädchen zog ein älteres Hemd an und brachte Speisen auf die Galerie. In eine Schüssel warf sie ein Haar hinein. Nachdem die Speise verzehrt war, wurde unten [127] das goldene Haar sichtbar. Bei dessen Anblick wurderten sie sich. Als das Mädchen hinunterging, um das zweite Gericht aufzutragen, zog sie ihr dem Mond ähnliches Kleid an und ging so zu den Gästen hinauf. Alle Gäste erhoben sich. Sie sprach kurz mit dem Padischah und ging hinunter. Niemand wusste, woher sie stammt. Das Mädchen warf jetzt das Hemd ab und zog ihr Alltags­kleid an und trug wieder die Speise hinauf. Sie Uberbrachte die Speise und ging hinunter, zog ihr Sternhemd an und begab sich zu den Gasten, sprach kurz mit dem Padischah und ging hinaus. Ging hinunter, tauschte wieder das Kleid und trug das Essen herein, ging abermals herunter und zog das sonnen­gleiche Kleid an und ging mit entblössten Kopf zu den Gästen. Keiner konnte ihr ins Antlitz sehen, die Augen flimmerten ihnen. Sie sprach mit dem Padi­schah und ging fort. Dieses Hemd warf sie ab und zog wieder das alte Hemd an und ging, die Speisen aufzutragen, als sie der Padischah anhielt und ihr vom Kopf das Tuch abnahm. Das goldene Haar des Mädchens [128] funkelte und beleuchtete das ganze Zimmer. Der Padischah setzte sie neben sich und fragte: "Woher stammst du?"

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