György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)

Empfang ihrer Vierteljahrs-Gage gewährt einen interessanten Einblick in die Dotation der Schauspieler (115). Mit Autographen ist fast ein jedes Mitglied der Familie Goethes vertreten: die Frau Rath, Christiane Vulpius, Goethes Schwiegertochter Ottilie von Pogwisch und die zwei Enkel Goethes, Wolfgang und Walther. Auch aus den vor­weimarischen Kreisen Goethes begegnen wir einer Reihe von Namen; so dem Leip­ziger Maler Friedrich Adam Oeser und seiner Tochter Friederike, Lenz, Jung-Stilling und Lavater; von den späteren Freunden dem Maler und Kunsthistoriker J. H. Meyer und dem Musiker C. F. Zelter. Die Sammlung hat auch drei Briefe Schillers aufzu­weisen, die auf Goethe Bezug haben (107—109). Das am 21. Jan. 1802 an Christian Gottfried Körner gerichtete Schreiben enthält u. a. Mitteilungen und Ansichten über die Weimarer Erstaufführung von Goethes Iphigenie. 9 1 Aus der Vielzahl der Hand­schriften wollen wir noch einen Brief unseres Landsmannes Franz Liszt hervorheben. Es ist uns nicht möglich, alle Manuskripte einzeln aufzuzählen, eines jedoch steht fest : die Gruppe der Handschriften spiegelt in ihrer Gesamtheit und Mannigfaltigkeit die mit Eifer und Sachkenntnis ausgeübte Sammeltätigkeit Balthasar Elischers in in seinem oben erwähnten Artikel, Frau v. Stein bedanke sich für Blumen. — Der Brief entstand weniger als 5 Monate vor dem Tode der Schreiberin (6. Jan. 1827), daher die Klage: „meine Kräfte sind erschöpft". Im zweiten Briefe der Goethe-Sammlung, ohne Ort und Datum, übt Frau von Stein an Goethe scharfe Kritik. 91 Der diesbezügliche Teil des Briefes (an G. Körner, 21. Jan. 1802) lautet folgendermassen : „Es hat mich sehr gefreut, zu hören dass euch die Turandot gefallen hat. Ich leugne nicht, dass ich bei dieser Arbeit ein gewisses Gefühl von Selbstthätigkeit und Kunstfertigkeit hatte, das mir Freude machte; ich wünschte auch mehrere solche Anlässe zu finden, denn für die Augenblicke der Abspannung sind sie sehr wohltätig, weil sie nicht die Kosten der Erfindung erfordern und dabei doch zur Thätigkeit stimmen. Einträglich ist diese Art zu arbeiten weit mehr, als die eigene Production je werden kann, weil diese immer so viele Zeit wegnimmt. Von euerem Theater habe ich indessen noch keine Antwort erhalten und kann also noch nicht einmal wissen, ob man das Stück überhaupt nur brauchen wird. Hier wollen wir im nächsten Monat Göthens Iphigenia aufs Theater bringen, bei diesem Anlass habe ich sie aufs neue mit Aufmerksamkeit gelesen, weil Göthe die Nothwendigkeit fühlt, einiges darin zu verändern. Ich habe mich sehr gewundert, dass sie auf mich den günstigen Eindruck nicht mehr gemacht hat wie sonst, ob es gleich immer ein seelenvolles Product bleibt. Sie ist aber so erstaunlich modern und ungriechisch, dass man nicht begreift, wie es möglich war, sie jemals einem griechischen Stücke zu vergleichen. Sie ist ganz nur sittlich, aber die sinnliche Kraft, das Leben, die Bewegung und alles was ein Werk zu einem ächten dramatischen spezifiziert, geht ihr sehr ab. Göthe selbst hat mir schon längst zweideutig davon gesprochen, aber ich hielt es nur für eine Grille, wo nicht gar für Ziererei ; bei näherem Ansehen aber hat es sich mir auch so bewährt. Indessen ist dieses Product in dem Zeitmoment, wo es entstand, ein wahres Meteor gewesen, und das Zeitalter selbst, die Majorität der Stimmen, kann es auch jetzt noch nicht über­sehen; auch wird es durch die allgemeinen hohen poetischen Eigenschaften, die ihm ohne Rück­sicht auf seine dramatische Form zukommen, bloss als ein poetisches Geisteswerk betrachtet, in allen Zeiten unschätzbar bleiben ..." Der Text des Briefes erschien zum erstenmal in Schillers Briefwechsel mit Körner von 1748 bis zum Tode Schillers. Vierter Teil. 1797—1805, Berlin 1847, Bd, 4. Nach dem Tode Schillers hatte Ch. G. Körner die Familie gebeten, ihm die Briefe an den Dichter zurückzugeben, um ihrer einundzwanzig Jahre währenden Freundschaft ein Denkmal zu setzen und zugleich mit der Publikation der Briefe Trost in seinem Schmerze zu gewinnen. Zur Veröffentlichung konnte er sich aber nicht entschliessen. Er hinterliess das Material geordnet; seinem Wunsche entsprechend veröffentlichte auch die Witwe die Korrespondenz nicht. Die Briefe gingen in den Besitz ihres Adoptivsohnes über, der in Anbetracht des allgemeinen Interesses die Veröffentlichung der Briefe genehmigte. Die kritische Ausgabe von Fritz Jonas : Schillers Briefe, Stuttgart. VI. Bd. S. 335—336 bringt den Text des Briefes mit einigen wenigen Abweichungen vom Original; in den Anmer­kungen (N0. 1749) setzt der Herausgeber an Stelle des Fundortes ein Fragezeichen, da er nicht wusste, wo sich die Handschrift befindet. Jonas schloss seine Arbeit im Dezember 1895 ab; damals war der Schiller-Brief schon lange im Besitz Elischers, wovon Jonas keine Kenntnis hatte. Wie der Brief zu Elischer kam, ist nicht bekannt; als der Brief 1847 veröffentlich wurde, besass er ihn noch nicht. Wahrscheinlich erwarb er ihn von der Familie Körners. Thienemann erwähnt а. а. О nur Jonas als Quelle, die erste Ausgabe vom Jahre 1847 lässt er unerwähnt. 26

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