György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)
von Seiten der Germanisten, der Goethe-Gesellschaften und anderer Sammler wurde seine Sammlung immer reichhaltiger und bemerkenswerter; wenn seine Tätigkeit auch nicht frei war von dilettantischen Zügen, entwickelte sich die Sammlung auf Grund der oben skizzierten Umstände doch zu einer nicht zu unterschätzenden Basis der Goethe-Forschung. Das zunehmende Alter und eine schwache Gesundheit erschwerten Elischer mit der Zeit die Ausübung seiner Rechtsanwaltspraxis. Dem unerbittlichen Gesetz der Natur gemäss waren seine Angehörigen einer nach dem andern für ewig von ihm geschieden. Schon 1852 musste er dem im Alter von 24 Jahren verstorbenen Bruder Gabriel Anton das letzte Geleit geben, es folgte 1864 die Mutter, die er ebenfalls in Pest begrub. 1885 starb sein Bruder Karl und 1886 wurde ihm die treue Lebensgefährtin durch den Tod entrissen 7 4. Elischer hatte schon 1873 nach dreissigjähriger Berufstätigkeit seine Advokaturskanzlei aufgelöst 7 5 und sich ins Privatleben zurückgezogen, um sich nun ganz seiner Sammlung widmen zu können. Auch die guten Freunde verhessen ihn für immer: Volkmann 1883, Heckenast schon 1878. Es wurde still in den Räumen des Pilismaróter Beafsteck-Klubs, und Balthasar Elischer, von der Gicht an seinen Fahrstuhl im Zimmer gefesselt, lebte nur mehr seinem Goethe; es war das Einzige, das seinem Leben noch einen Inhalt gab. Die Söhne seines Bruders Karl umgaben ihn mit Liebe und besonders Julius, der spätere namhafte Arzt und Erbe der Goethe-Sammlung, sorgte treulich für ihn. Julius Elischer (1846—1909) hatte die Liebe zur Kunst schon aus dem väterlichen Hause mitgebracht. Seine hervorragende Bildersammlung, die Gemälde von Dürer und Rembrandt, sowie wertvolle Kupferstiche enthielt, wurde von dem Museum für bildende Künste erworben. Die von seinem Oheim ererbte und der Akademie gespendete Elischersche Sammlung vermehrte er bis zu seinem Ableben ständig mit neuen Gaben. Auch anderweitig war er in humanitärem Geiste tätig und nahm an der Gründung mehrerer sanitärer Vereine teil. Ergreifend ist die sorgliche Umsicht, mit der Balthasar Elischer in seinem am 13. Juni 1891 eigenhändig aufgesetzten Testamente die Verfügungen über seine GoetheSammlung traf. 7 6 Rührend ist auch die Freigebigkeit, mit der er seine Anhänglichkeit an die Goethe-Gesellschaften (Wien, Weimar, Frankfurt, Main) zum Ausdruck brachte. Auch das Rote Kreuz, die Rettungsgesellschaft, verschiedene Frauenvereine, die Poliklinik und die National-Musikschule wurden mit grösseren Summen bedacht. 74 Pukánszky gibt а. а. O. fälschlich 1892 als Todesjahr an. 75 Im Mitgliedverzeichnis der Budapester Advokatenvereinigung findet sich sein Name das letztemal am 1. März 1873. Vom folgenden Jahre an ist im Budapester Adressbuch als Beruf „Privatier" angegeben. 76 Eine Abschrift des deutsch abgefassten Testaments befindet sich im Besitz von Frau Dr. Tibor Szelényi geb. Edith Elischer. Im 38. Punkt des Testaments schrieb Elischer u. a. : „... da ich diese Goethesammlung seit nahezu vierzig Jahren sorgfältig cultiviere, und für meine Verhältnisse oft mit Opfern an Zeit und Geld in aller Welt erworben, und diese nicht etwaiger Geringschätzung und Zerstückelung preisgegeben — ja nach Zulässigkeit auch weiter erhalten und fortgeführt wissen möchte, so wäre in erster Reihe für eine abgeschlossene Räumlichkeit zur Unterbringung dieser meiner Schätze —, dann für Schutz und Pflege der Erhaltung, für entsprechende Nutzbarmachung durch zweckmässige, wenn auch einfache Einrichtung dieser Räumlichkeit —, da die Bücher und Bilder oft grösseren Formats nicht anders gehandhabt werden können, — und verantwortliche Beaufsichtigung derselben, wobei sich der vorläufige Vermächtnisnehmer, mein Neffe, die Controlle vorbehalten könnte — zu sorgen. Nachdem schliesslich dieser mein Neffe als mein Erbe auch sonst durch mich bedacht, über meine Wünsche die Erhaltung und möglichste Sicherung und Fortsetzung dieser Goethesammlung vollkommen informiert ja instruiert ist und ich ihm ganz vertraue : so wird derselbe die Räumlichkeit wo diese wird untergebracht werden sollen — zu beurteilen — nach Tunlichkeit dieselbe zweckmässig einzurichten und die Verleihung mit einem Geldfond von ö$t. 2000 d. i. Zweitausend Gulden in Oest. Währung zu versehen haben — deren Zinsen zu Anschaffung der literarischen Nova als zulässige Erweiterung dieser Goethesammlung zu verwenden sein werden." 22