György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)

Versen, die teils die „Heldenlieder" des Schriftführers waren. 5 8 Die Protokolle gingen bedauerlicherweise im Zweiten Weltkrieg verloren, ebenso wie das von Volkmann angefertigte Gründungsdiplom. Unter der Maske des Humors war der Klub eine Manifestation der Pester bürgerlichen Kultur, wo alle geistigen Verbindungen mit Deutschland warm begrüsst wurden. 5 9 Elischers geselliger Kreis und seine Beziehungen zum Ausland (Wigand, Hirzel) vertieften die Goetheverehrung, die er aus dem Elternhause mitgebracht hatte, und von hier gingen die Impulse zu seiner Sammlertätigkeit aus. Von zurückhaltender Natur, weihte er darin die Freunde nur schrittweise ein, auch Volkmann hörte davon ersr während seines Aufenthaltes in Wien 1857. Er beeilte sich, den Freund in einem aus Goethe-Zitaten virtuos zusammengefügten humorvollen Briefe zu begrüssen, der zugleich ein Zeugnis dafür ablegt, wie gut beschlagen der Musiker in den Werken Goethes war. 6 0 Die Sammlertätigkeit Elischers setzte wahrscheinlich zu Beginn der 50 er Jahre ein. Von dann an unternahm er „Goethereisen", die immer häufiger wurden. Im Jahre 1857 besuchte er mit seiner Frau Wigand in Leipzig, 1857 reiste er allein, wieder nach Deutschland; 1859 verweilte er mit seiner Frau in Frankreich und England, 1863 war er in Sachsen; jedesmal kehrte er mit wertvollen Erwerbungen heim. Doch seine Tä­tigkeit erschöpfte sich nicht darin, dass er nach Goethehandschriften und Erinne­rungsgegenständen fahndete. Die Repräsentanten der emporblühenden Goethe­Forschung wandten sich häufig um Auskünfte an ihn, da er alsbald für einen hervor­ragenden Goethekenner und Sammler galt. Es gab kaum eine Manifestation des Goethe­kults, an der er nicht geistig oder materiell fördernd teilgenommen hätte. Der erste Goethe-Forscher, der mit Elischer in Verbindung trat, war Gustav von Loeper, 6 1 einer der Gründer der Weimarer Goethe-Gesellschaft, später deren Vizepräsident. Loeper veranstaltete 1861 eine grosse Goethe-Ausstellung in Berlin, zu welcher der Grossherzog von Weimar, Salomon Hirzel, die Nachkommen Goethes, Schillers Tochter: Frau Gleichen-Russwurm und F. von Maitzahn Materialien beisteuerten. Auf die Bitte Loepers stellte Elischer aus seiner Sammlung das Album von Goethe-Bildnissen, den Karlsbader Trinkbecher und das Goethe-Porträt des Wiener Malers Geiger zur Ver­fügung. Über seine Sammlung und über Elischer selbst, der an der Ausstellung per­sönlich teilnahm, äusserten sich die damaligen Tagesblätter mit wärmster und grösster Anerkennung. 6 2 Mit ähnlichem Eifer unterstützte und förderte Elischer auch das 58 Volkmann, Hans, а. а. O. S. 306—311. An der Klubsitzung vom 17. März 1869, in der man den Präsidenten anlässlich der Geburt eines Enkelkindes feierte, nahm als Gast auch Johannes Brahms teil. Der kleine Vers Volkmanns zeugt vom sprühenden Humor des Musikers: Stets blühe unser Präsius, Sotaner Loge Genius, Vom Kopf bis zu dem Schenkel; Er, der so weise ist als bon, Erhalt' in jeder Klub-Saison Wenigstens einen Enkel! (Briefe S. 311.) 59 Eine dem Pester Roastbeef-Klub sehr ähnliche Tischgesellschaft war die „Stille Gemeinde" in Leipzig, an der Salomon Hirzel, der allseits beliebte „Moni", mit seinem Freunde, dem Juristen E. Böckling, teilnahm. 60 Den Brief veröffentlichte Pukánszky а. а. О., im Anhang, S. 198—201. Der am 17. Mai 1857 in Wien geschriebene Orig-Brief ist leider verloren gegangen. 61 Johann Ludwig Gustav Loeper (1822—1891) war ursprünglich Jurist, wurde aber Goethe­Philologe und Goethe-Sammler. 62 Berlinische Nachrichten 1861. 15. Juli. N0. 137. S. 4. „Goethe-Ausstellung im Concert­saale des Königl. Schauspielhauses. Während manche Sammler von Andenken und Erinnerungs­zeichen bedeutender Männer ihre Freude darin finden, für sich zu sammeln und zu gemessen, 19

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