György, Josef: Die Goethe-Sammlung Balthasar Elischers in der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (A MTAK kiadványai 39. Budapest, 1963)
die Pfeilkreuzler, kehrten sich nicht daran. Unter einem der Sitzungssäle wollten sie Explosivstoffe lagern, was nur im letzten Augenblick verhindert werden konnte; in den Fensteröffnungen der im Erdgeschoss gelegenen Bibliothek und im ersten Stockwerk stellten sie Maschinengewehre auf. Das Gebäude wurde deshalb von 27 Minen getroffen. Das Dach brannte ab, das Széchenyi-Museum stürzte auf die darunter befindliche Vigyázó-Bibliothek, der sogen. Bildersaal und die Präsidialräume brannten vollständig aus und das zweite Stiegenhaus stürzte ein. 2 6 Die wertvollen Handschriften der Goethe-Sammlung hatte man zwar rechtzeitig in Sicherheit gebracht, doch ein Teil der Bücher, Bilder, Statuen und Erinnerungsgegenstände fiel der Vernichtung anheim. Die wertvollen Stücke der Sammlung sind dagegen glücklicherweise grösstenteils erhalten geblieben und befinden sich auch heute im Bestand der Bibliothek. Das Goethe-Zimmer gehört vorläufig der Vergangenheit an, es bleibt jedoch zu hoffen, dass es nach der zwangsläufigen Pause wieder hergestellt wird, um den Namen Goethes und den seines Getreuen, Balthasar Elischers, von neuem in würdiger Weise zu verkünden. II. Leben und Wirken Balthasar Elischers. Bevor wir auf die Beschreibung der Goethe-Sammlung näher eingehen, scheint es uns geboten, den Lebenslauf Balthasar Elischers zu schildern und die Umstände und Voraussetzungen zu beleuchten, unter denen seine Sammlung entstanden ist. Balthasar Elischer wurde am 23. März 1818 in Eperjes geboren. Sein Vater, Balthasar Elischer d. Ä. (1794—1831), war Fleischermeister in Gölnicbánya; die Mutter hiess Anna Répászky (1795—1864). Die Elischer gehörten einer alten oberungarischen evangelischen Familie an; ihren Stammbaum konnten sie bis auf das Jahr 1711 zurückführen, in dem ihr ältester bekannter Ahne, Michael Elischer, in Gölnicbánya das Licht der Welt erblickte. Das Geschlecht war weit verbreitet und unter den Zipser Familien (die aus Sachsen stammten und deren Muttersprache Deutsch war) wohl bekannt. Der evangelische Kirchendistrikt von Oberungarn führte 42 Familien in Evidenz, die grösstenteils in Gölnicbánya wohnten und in der Mehrzahl Bergleute oder Handwerker waren; auch in den oberungarischen Städten Szomolnok und Körmöcbánya hatten sich viele Elischer niedergelassen. Balthasar Elischer d. Ä. heiratete im Jahre 1816 und übersiedelte darauf nach Eperjes, wo er als allgemein geachteter Fleischhauer tätig war und später auch zum obersten Zunftmeister gewählt wurde. Von seinen drei Söhnen bestimmte er den hochbegabten ältesten, Balthasar, für die juristische Laufbahn. Sein zweitgeborener Sohn, Karl (1822—1885), setzte das Gewerbe des Vaters fort; er heiratete 1845 die Tochter eines angesehenen Rechtsanwaltes, Lavinia Okrutzky; 1848/49 nahm er am Freiheitskampfe teil und wurde deshalb in Krakau zu Festungshaft verurteilt. Nach seiner Freilassung zog er nach Kaschau, wo er eine Fabrik für Selchwaren gründete, durch die der Kaschauer Schinken in ganz Europa guten Ruf gewann. Karl Elischer war ein Mensch, der die Kunst, besonders die Musik liebte und forderte und mit namhaften Musikern der Zeit (Karl Thern, Robert Volkmann) in freundschaftlicher Verbindung stand. Der älteste von seinen sechs Söhnen war Julius (1846—1909), der spätere Privatdozent und Erbe der Goethe-Sammlung. Balthasar Elischers d. Ä. dritter Sohn, Gabriel Anton (1828—1852) starb früh, als Rechtspraktikant an Lungenschwindsucht. Der Vater fiel der Choleraepidemie des Jahres 1831 zum Opfer. Die Witwe 26 Akadémiai Értesítő 1946. 54. Bd. S. 6: Az Akadémia az ostrom alatt [Die Akademie während der Belagerung], 13