Fülep Lajos levelezése II.

Levelek

ich die Berge so heiss liebe war es ein märchenhaftes Erleben u.[nd] die 12 läge die ich dort verbrachte gehören zu den schönsten meines Lebens. In Cortina trennte ich mich dann von meiner Amerikanerin die dort von Freunden abgeholt wurde. Sie war ein netter, lieber Kamerad u.[nd] das Zusammensein mit ihr sehr gemütlich. Seit 8 lägen bin ich hier zurück u.[nd] warte auf meine Kinderleins. Die beiden sind seit September 27 am Bodensee in einem Internat, sehr glücklich u.[nd] ich fahre mit ih­nen am 27. <L[ieses] M[onats] nach der Tächchoslovakei, wo Verwandte uns für die Ferien eingeladen haben. Es ist von dort aus nicht weit nach Wien u.[nd] ich möch­te Dich bitten mir zu sagen, wie weit Dein jetztiger Wohnort von Wien entfernt ist, denn wenn es möglich wäre würde ich Dich zu gerne besuchen. In deinem kleinem Dörfchen gibt es gewiss ein billiges Gasthaus wo ich für 2-3 läge wohnen könnte u.[nd] ich würde mich so freuen Dich nach so langen Jahren wie lange ist es eigent­lich — ich glaube es sind 16 oder 17 Jahre — wieder zu sehen. Also schreibe mir da­rüber, bitte! 3 Wir sind von Heidelberg schon seit 24 dauernd weg, waren eine Zeitlang ganz oh­ne Wohnung, ich mit den Kindern bei Verwandten, mein Mann in Berlin, Dann habe ich 2 Jahre lang hier in München eine kleine Wohnung gehabt, sie aber fínanciel­ler Schwierigkeiten wieder aufgeben müssen d.[as] h.[eisst] wir haben die Wohnung als die Kinder ins Internat kamen vermietet, u.[nd] seit der Zeit treibe ich mich he­imatlos in der Welt umher. Es ist nur gut dass ich von Natur eine richtige Zigeune­rin immer schon gewesen bin u.[nd] es mir nicht schwer wird. Diesen Herbst will ich wenn ich die Einreiseerlaubniss bekomme wieder nach Amerika fahren für 1 Jahr eventuell f.[ür] 2 Jahre; länger möchte ich der Kinder wegen, die ich furchtbar ver­misse, nicht fortbleiben. Aber Amerika ist meiner Ansicht nach das einzige Land wo es sich lohnt zu arbeiten u.[nd] wo man wirklich verdienen kann. Und letzteres muss ich unbedingt da mein Mann der vor dem Kriege als Privatgelehrter nur seinen Studien lebte, jetzt wo er durch den Krieg alles Vermögen verloren, wohl eine kleine Anstellung in Berlin hat, aber mit so minimalen Verdienst dass es nicht für uns alle reicht. Da ausserdem mein Mann nicht pensionsberechtigt ist, auch meine Zukunft ungesichert so dass ich sehen muss mir irgend eine Erwerbsquelle zu suchen. Nun bin ich ja weiter nicht ängstlich, ich bin gesund, meine Kinder auch und bis jetzt hat es immer gelangt u.[nd] was die Zukunft bringen wird muss man sowieso abwarten. Meine Lebensphilosophie die ich nur nach harten Kämpfen errungen habe ist, geni­esse was das „Heute" bietet, ohne Angst um die Zukunft u.[nd] auch ohne Bedau­ern für das Gestern, das unwiederbringlich vorbei ist u.[nd] ich muss sagen ich fühle mich sehr wohl dabei. Ach, lieber Fülep, wir müssen uns sehen wenn es sich irgend wie machen lässt, man kann sich soviel mehr erzählen, als schreiben. — Und nun zu Lykie. 4 Sie ist Gott sei Dank nicht gestorben, aber hat seit ungefähr 1 Jahr ein sehr sorgenvolles Leben. Edmund 5 hatte durch Jahre hindurch eine glänz­end bezahlte Stellung bei Junkers in Persien. Leider hat er sie verloren, ist zwar noch immer in Teheran aber soll sehr wenig verdienen u.[nd] dieses wenige für sich u.[nd] eine junge Russin mit der er zusammen lebt brauchen. Lykie die vorher reich­lich Geld vom ihm bekam, jeden Monat M.[ark] 800 u.[nd] auch dazwischen immer 440

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