Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)

3. KAPITEL – Archäologische, anthropologische und radiologische Daten

Übereinstimmung mit der ursprünglichen Festsetzung von Érdy ein ­deutig anerkannt, dass das Königspaar mit Béla III. und seiner Gattin Anna von Antiochia identisch ist (Éry 2008; Luzsa et al. 1988; 1989). Nach Ansicht des Historikers Dr. György Szabados ist es wichtig, die obige Feststellung zu betonen, da der seit Érdy und Pauer mit einem ganzheitlichen fachlichen Konsens bestätigte Bestimmung des Königspaares in jüngster Vergangenheit durch den Archäologen Endre Tóth verworfen worden war. Demgegenüber spricht Folgendes für die Identität von Béla III. und Anna von Antiochia. 1. Allein die archäologische Argumentation, also die Deutung des Kruzifixes als „Prozessionskreuz“ und die darauf aufge­baute Identifizierung als Koloman ist nicht überzeugend. Es ist von vornherein fraglich, was für einen Grund es bei der Beerdigung von Koloman es hätte geben können, an seiner wenig mehr als 20 Jahre vorher zu Ende gegangene bischöf­liche Würde zu erinnern. Das Kruzifix wird von der früheren Fachliteratur als Pilgerkreuz definiert, wofür es eine nahe­liegende Erklärung gibt. Béla III. hat einen Schwur für einen Kreuzzug abgelegt, konnte aber wegen seines nahenden To­des nicht aufbrechen. In seinem Testament überließ er seinem zweitgeborenen Sohn, dem späteren König Andreas II. (1205- 1235) die Erfüllung einer Pilgerfahrt ins Heilige Land, der den letzten Willen seines Vaters mit 21 Jahren Verspätung erfüllte. Das ins Königsgrab gelegte Kruzifix könnte daher das nicht eingehaltene Versprechen der Pilgerfahrt symbolisieren. Und das Kreuz mit Handgriff war sogar ein Würdezeichen christ­lichen Herrscher (Uzsoki 1984). Darüber hinaus zwingt auch 85

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