Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)

3. KAPITEL – Archäologische, anthropologische und radiologische Daten

Bevor das Königspaar in der Matthiaskirche begraben wurde, unterzog man es in Budapest auch einer anthropologischen Unter­suchung. Über das im ersten Grab gefundene Skelett, d. h. die sterb­lichen Überreste der Anna von Antiochia wurde Folgendes geschrie­ben: „Die Schlüsselbeine, der Brustkorb, der Beckenknochen und die Richtung der Oberschenkelknochen deuten auf ein weibliches Ske­lett hin. Und da die Suturen ihres Schädels alle klar sichtbar und die Zähne vollzählig, unversehrt und wenig abgenutzt sind, kann man das Alter der Frau auf30-40 Jahre schätzen”. Die Suturen des Schädels des im anderen Grab ruhenden Königs Béla III. sind, mit Ausnahme der Sutura lambdoidea, die schon zusammenzuwachsen begannen, klar sichtbar; die Zähne sind vollzählig, doch da der Zahnschmelz auf den Schneideflächen ihrer Kronen abgenutzt ist, deutet das auf ein Alter von 50 Jahren hin“. Neben den Königsgräbern erkundete Érdy drei weitere Gräber. Die dritte Grabkammer lag in der Nähe der königlichen Gräber, süd­lich davon und etwa 40 cm tiefer (frühere Bestattung). Érdy schrieb darüber im Inventarbuch des Nationalmuseums von 1848 unter Nummer 64 Folgendes (Éry 2008, 17): „Unter rohem Boden fanden wir einen Sarg aus gehauenem Sandstein ... dessen Boden fehlte, da er sowieso auf große gehauene Sandsteine gestellt war, die wiederum auf pechschwarze, in Sumpfboden geschlagene Pflöcke oder Pfähle gestellt waren.“ In der Grabkammer „lag ein links von Schlamm umge­benes Skelett“, das der Ortsbeschau zufolge ein „männliches Skelett war, das den obigen Zeichen nach das 30. Lebensjahr bereits über­schritten hatte“ (Skelett mit der momentanen Nr. II/52_3). Das Grab war zerstört, es hatte keine Beigaben, die auf einen König deuten würden, diese könnten also während der Arpadenzeit entnommen 71

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