Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)
2. KAPITEL – Historischer Hintergrund
ZUSAMMENFASSUNG: Die von Álmos abstammenden Großfürsten und Könige herrschten auf der männlichen Linie etwa 450 Jahre und viele talentierte Herrscher kamen aus dieser Dynastie. Die Kraft der ungarischen Monarchie war in der religiösen Verehrung der Dynastie verwurzelt. Der Geburt von Álmos ging eine göttliche Prophezeiung voraus. Auf diese uralte Sakralität legte sich seit der Zeit von Stephan dem Heiligen die christliche Ansicht des „Dei Gratia“, d. h. Herrschen von Gottes Gnaden. Doch erwies sich die Sakralität als so stark, dass sie auch in neuer Form weiterlebte. Auffallend ist, dass diese Dynastie dem Christentum sehr viele Heilige gegeben hat. König Stephan I. und sein Sohn Prinz Imre, König Ladislaus L, die Tochter von Andreas IL, Elisabeth, sowie die zwei Töchter von Béla IV, Margarethe und Kinga, wurden zu Heiligen der katholischen Kirche und die Tochter von König Ladislaus L, Piroska von Ungarn als byzantinische Kaiserin Irene wurde zur Heiligen der Orthodoxen Kirche. Elisabeth, die Tochter des letzten Königs des Herrscherhauses, Andreas IIL, wurde seliggesprochen. (König Stephan I. wird neuerlich auch von der Orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt.) Die Heiligsprechungen spiegeln das Werteurteil der gläubigen Nachwelt wider. Ihr politisches Erbe ist, dass das Ungarntum die stürmischen Zeiten der Geschichte überstehen konnte, und auch heute noch im Rahmen des ungarischen Staates in Mitteleuropa lebt. 61