Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)

2. KAPITEL – Historischer Hintergrund

1163 schlossen Manuel I. und Stephan III. Frieden, im Sinne dessen der Kaiser Stephans jüngeren Bruder Béla als Verlobten für seine Tochter Maria wählte und ihn mit an seinen Hof nahm. Mit ihm kamen Kroatien, Dalmatien und Syrmien als Bêlas väterliches Erbe unter die Herrschaft von Manuel. Manuel war bekannterweise der Enkel von Ladislaus dem Heiligen auf dem mütterlichem Zweig, während der Urgroßvater von Béla der Bruder von König Ladislaus dem Heiligen, König Géza I. (1074-1077), war, d. h. ihr gemeinsa­mer Vorfahre war der Vater von Géza und Ladislaus, König Béla I. (1060-1063). 1165 wurde Béla (der in Byzanz den Namen Ale­xios trug) auch offiziell zum kaiserlichen Thronerben bestimmt. Im Herbst 1169 allerdings schenkte die zweite Gattin des Kaisers diesem einen Sohn. Daraufhin wurde Béla der Rang des Thronfolgers entzo­gen, die Verlobung mit Maria aufgelöst und er mit der Halbschwester des Kaisers entschädigt. Agnès de Chätillon (Anna von Antiochia), Tochter der Fürstin Konstanze von Antiochia und des Kreuzritters Renaud de Chätillon, wurde im Frühjahr 1170 zur Ehefrau von Béla. Stephan III. starb am 4. März 1172 im Alter von 25 Jahren. Als sein älterer kleiner Bruder Béla, der zweierlei Erziehung genossen hatte, heimkehrte, begann er seine Herrschaft ausgezeichnet vorbe­reitet, doch wurde er von scharfer Opposition bedrängt, da die Kö­niginmutter Euphrosina und der Erzbischof von Esztergom Lukács Prinz Géza zum König machen wollten: der lange abwesende Béla war ihnen zu „fremd“ und zu „griechisch“. Sie irrten sich; Béla III. blieb unerschütterlich katholisch und verhielt sich als unabhängiger ungarischer König. Zur inneren Sicherheit ergaben sich günstige au­ßenpolitische Möglichkeiten. Nach dem Tod von Manuel schwäch­ten innere Unruhen wie auch serbische und bulgarische Unabhän­56

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