Miklós Kásler - Zoltán Szentirmay (szerk): Identifizierung der Skelette von Angehörigen des Arpadenhauses in der Matthiaskirche. Unter Verwendung von historischen, archäologischen, anthropologischen, radiologischen, morphologischen, Radiokarbondatierungs- und genetischen Daten (Budapest, 2021)

2. KAPITEL – Historischer Hintergrund

Die dynastischen Bestattungen in Székesfehérvár nach 1116 vollzo­gen sich nach einem Wechsel in der Herrscherlinie: damals herrschte der Sohn von Prinz Álmos, König Béla II. (der Blinde) (1131-1141). Er hatte 1137 die sterblichen Überreste seines Vaters Álmos, der in byzan­tinischer Verbannung gestorben war, heimbringen und in der Marien­basilika von Székesfehérvár beisetzen lassen. Es ist nicht zu glauben, dass er mit seiner Handlung eine nachträgliche brüderliche Versöh­nung zwischen seinem Onkel und seinem Vater, Koloman und Álmos, symbolisieren wollte; wahrscheinlicher ist es, dass er Álmos mit seiner Beisetzung in Székesfehérvár neben den seine Blendung anordnenden Koloman den Buchkundigen stellte und damit eine Art neue Geste der Selbstlegitimierung vollzog, die er damit unterstrich, dass er auch seine eigene Ruhestätte in der Basilika bestimmte, wo der mit erst 32 Jahren verstorbene, blinde König, dem das Schicksal sehr mitgespielt hatte, nicht viel später, im Spätwinter 1141 begraben wurde. Béla II. musste auf jede ihm mögliche Weise die Gesetzmäßigkeit seiner Herrschaft zum Ausdruck bringen, da er der erste ungarische Herrscher war, der - wenn auch ohne eigenes Verschulden - zur tatsächlichen Regierungsführung ungeeignet auf dem königlichen Thron saß. Außerdem war es nicht selbstverständlich, dass 1131 ihm die Königskrone aufgesetzt wurde. Der kinderlose Stephan II. hat­te ursprünglich seinen Neffen schwesterlicherseits, Saul (Sohn von Prinzessin Sofia, der Tochter von Koloman dem Buchkundigen) für den Thron bestimmt, doch erhielt er 1129 die Nachricht, dass sich der blinde Prinz Béla in Pécsvárad versteckt hält. Stephan II. ließ Béla an seinen Hof bringen und vermählte ihn mit Ilona, der Toch­ter des serbischen Großzupanens. Damit wollte er die Versöhnung des Koloman-Zweiges mit dem Arpad-Zweig erreichen. Die Ehe des 46

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