Zalai Múzeum 9. 100 éves a Keszthelyi Balatoni Múzeum (Zalaegerszeg, 1999)

Vörös István: Germán ló–kutya kettős sírok Keszthely avar kori temetőjében

130 Vörös István Germaiiische Pferde-Hunde-Doppelgraber im Í Am östlichen Rand des awarenzeitlichen Gráberfeldes der Stadt Keszthely wnrden Ausgrabungen von Ilona Kovrig (UNM) 1960 und 1961 durchgeführt. In der Kossuth-L.-Straite. auf dem Hof der Volksschule kamen drei Tiergráber 1961 zum Vorschein. In diesen Grábern lagen die Skelette je eines Pferdes und Hundes olme Beigaben (Abb. 1). Die Pferde dieser Graber waren groliköpfíge Tiere mit kraftigem Knochenbau. Der Kopf ist láng, hoch und „keilformig". Die Stirn ist leicht gewölbt. Die Nasenöffnungen sind weit. die Nasenspitzc ist kurz hervorstehend (1, 2) oder láng, platt und eng (3). Die Augenhöhlen sind groft. Das Zahnwerk ist regelmáJiig. Der Rist ist láng und hoch. Der Rücken ist relatív kurz. Der Brustkorb ist láng und tief. Der humerus der Vorderextremitáten ist kurz (1, 2) bzw. láng. der radius ist einheitlich láng. der metacarpus ist kurz (1) und láng (2. 3). Die tibia und der metatarsus sind láng. Aufgrund der Werte des mc-Schlankheitsindexes gehören sie zur mitteldicken (1, 2) und dicken (3) Gruppé nach Brauner. Allé drei Pferde sind Hengste, ausgewachsene Tiere. Ihre Risthöhe gehört in die mittlere Kategorie nach Vitt: Innerhalb derén ist das Pferd 1 von klein-mittelgrolter (138.0 cm) und die Pferde 2 und 3 (142.26 cm bzw. 143,67 cm) sind von grofi-mittelgrolter Körpergrölte. Ordnungswidrigkeiten körmén im Zahnwerk /prognathia superios 1 (Abb. 2, 1,3, Abb. 2. 3); wellige Abnutzung der Záhne 1, 2. 3; polyodontia I 4 1 (Abb. 4)/. auf der Wirbelsaule /spondylosis, spondylarthrosis deformans, spondylitis deformans, ankylopoietica 1 (Abb. 6. 1,3. Abb. 6. 1)1 und auf einigen Extremitáten /intermetapodialis exostosis 1, 2, 3, arthrosis chronica deformans tarsi 1 (Abb. 5. 6) und os ph.III. 1/ beobachtet werden. Die Schádelgrölte der Pferde wurde in der Tabelle 1, die Mandibulagröíte in der Tabelle 2, die Grölte der postcranialen Knochen in der Tabelle 3 und 4 angegeben. Das im Tiergrab 1 freigelegte Pferd, das iiberzahlige Záhne und ein entzündetes Sprunggelenk hatte, bzw. dessen 17 Wirbel zusammenwuchsen, ist in der archáozoologischen Fachliteratur als „awarenzeitliches Zauberpferd" bekannt (BÖKÖNY1 1974. 290-292). Die Identifizierung eines übersinnlichcn Geisteswesens der Glaubenswelt des Volkes in der materiellen Welt ist schon in sich nachdenklich. Das Pferd 1 von Keszthely war kein „Zauberpferd" ! Die in den Tiergrábern von Keszthely \ orgekommenen Hunde waren groliköpfige und -körperige Tiere. Der Kopf ist láng und der Schádel dickwandig (Abb. 11). Die sich nach der Gehirnkapsel im awarenzeitlichen Graberfeld von Keszthely rohrartig verlângerte Stirn ist breit. Der Scheitel ist wellig (1. 2) oder leicht gewölbt (3). Die Profillinie der Stirn ist kaum gebogen (1, 2) oder hohl (3). Das Zahnwerk ist regelmaliig, die canini sind groli. Der Rist ist hoch. der Rumpf und der Brustkorb sind lang, der letztere ist. tief (1,2) bzw. seicht (3). Die Langknochen sind lang und dick. Die hum.-rad. und fem.-tib. des Hundes 1 und 2 sind ca. von gleicher Lange. Aile drei sind mannliche Hunde, ausgewachsene Tiere. Die Risthöhen sind (KOUDELKA 1886): 1. Hund: 65,82 cm. 2. Hund: 69.0 cm. 3. Hund: 62.0 cm. Die Hunde 1 und 2 gehören zum Formkreis der Windhunde. wáhrend der Hund 3 dem der mittelgrolien Scháfer-/Jagdhunde zugeordnet werden kann. Die gebrochene Rippe des 2. Hundes und das Ende seiner rechtseitigen ulna dist. (Abb. 14, 6) heilten callus-artig. Die Schádelgrölte der Hunde wurde in der Tabelle 5, die Mandibulagröíte in der Tabelle 6 und die Grolte der postcranialen Knochen in der Tabelle 7 und 8 angegeben. In zwei von den engen und tiefen Grábern mit abgerundeten Enden wurden die Pferde linksseitig gelegt (1. 2). im dritten Grab lag es (3) „gesunkcn" auf dem Bauch. Im. fur das Pferd ausgegrabenen Grab von „normaler" Grölte lag der Hund vor dem Brustkorb des Pferdes. oder damit auf dem gleichen Niveau (2: Abb. 1. 2). bzw. wurde er am Ende des Grabes über das Pferd gelegt begraben (1: Abb. 1, 1. Abb. 10. 1). Im langen Grab lag der Hund hinter dem Pferd, damit auf dem gleichen Niveau auf der Grabsohle in "schlafender" La­ge (Abb. 1. 3, Abb 10, 3). Im Falle der Hunde ist es anzunehmen, daft die zeitgenössischen Verletzungen auf dem Kopftráger (Abb. 13. 1. Abb. 14, 1. Abb. 15, 1), ferner das Brechen der Halswirbelreihe (3) mit der Erstickung dieser Tiere in Zusammenhang gebracht werden kőimen. Es ist wahrscheinlich, daB das erste Glied der das Menschenopfer ersetzenden Tierhierarchie, namlich das Pferd und der dualistisch beurteilte Hund - von Raum und Zeit unabhángig. wenn auch in verschiedenen Verfassungen - eine versöhnende und vermittelnde Rolle spielten. Auf den. den Awaren fremden, auch ethnisch abweichenden Ritus der Pferde-Hunde-Gráber von Keszthely machte schon Ilona Kovrig aufmerksam. In den awarischen Gràberfeldern ist das Vorkommen der auf die Seite gelegten awarenzeitlichen Pferdeskelette in Ungarn nicht kennzeichnend. Es ist aber fur den Groflteil der römisch-kaiserzeitlichen Pferde-, Pferde­Hunde- und Wagengráber in Pannonién, ferner fur die

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