Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)

Lauermann, Ernst: Bestattungssitten der Hallstattkultur im Weinviertel Niederösterreichs

ZALAI MÚZEUM 8 1997 Ramls, Peter С: Die hallstatt-/latènezeitliche Siedlung von Walpersdorf ob der Traisen/Nord, Niederösterreich Walpersdorf liegt im niederosterreichischen Traisen­tal zwischen Herzogenburg und Traismauer, naher zur erstgenannten Stadt (Abb. 1). An der Niederterrasse der Traisen plaziert, ist die Fundstelle Teil der „Gehoftkette an der Terrassenkante", wie sie aus der Literatur be­kannt ist. 1 Die Grabungen wurden zum Groliteil in den Jahren 1972-1975 vom Bundesdenkmalamt unter der Leitung von Johann Offenberger durchgefuhrt, konnten aber nur einen Teil der Siedlungsflâche erfassen. Weitere Beobachtungen und Fundmeldungen liegen von folgenden Jahren vor: Schon 1906 schreibt Georg Baumgartner 2 von „Gru­ben im Schottergrunde", die 1899 von ihm „einen Kilo­meter südlich von der Bahnstation Getzersdorf ' in der Katastralgemeinde Inzersdorf a.d. Traisen anlalilich der Anlage einer Schottergrube beobachtet und untersucht wurden. Weitere Meldungen sind von Johann Offenberger 1964, 3 Clemens Eibner 1965, 4 1967 5 und 1971, 6 von Alois Gattringer 1977 7-78 8 und 1980, 9 von Otto H. Ur­ban 1981 10-82, n sowie von J.-W. Neugebauer 1983 12­84 13 und 1987 14 bekannt. Der Grundriliplan, der ca.2/3 der bearbeiteten Flâche umreiftt, zeigt deutlich die eingetieften Bauten der Friih­latènezeit und Pfostengrâbchen von Pallisadenbauten (Abb. 2). Diese sind wahrscheinlich Teile von sog. „Herrenhöfen", wie sie u.a. aus Böhmen wie Drouzkovi­ze 15 oder Krasovice, 16 aber v.a. aus Bayera wie Strau­bing-Öberau 17 oder Kirchheim 18 bei München bekannt sind. Keramik: Alléin schon von der Grölie der Ausgrabungsflâche her ergibt es sich, dali es sich hier um einen Groliteil des Keramikspektrums der Spâthallstatt/Friihlatènezeit handelt. Bemerkenswert dabei ist der vergleichsweise hohe Anteil von Graphitton. Mehr als 75% der Keramik kann als graphitgemagert bezeichnet werden. Daneben wurde Graphit auch zur Dekoration der Ge­faBe verwendet, wie am Beispiel einer innen mit Rau­tenmuster und Radialstreifen verzierten Schüssel zu sehen ist (Abb. 3). Als weitere Keramikverzierungen sind Stempel zu nennen, die hier u.a. in Kreisaugen- und Fischblasen­form auftreten (Abb. 4). Eine besondere Keramikgattung stellt die geriefte Drehscheibenkeramik dar. Diese dünnwandige Ware (Abb. 5), die sich von der frühen Drehscheibenkeramik, wie sie u.a. auf der Heuneburg gefunden wurde, ableitet, ist hier eher in den frühen Latènehorizont zu stellen. 19 Bemerkenswert darán ist die (wahrscheinlich) vollstan­dige Graphitierung (Graphitpolierung) der Gefafie. Ob es sich Fuiischalen wie am Üetliberg, oder um Ompha­losschalen handelt, ist aufgrund fehlender Bodenstücke leider nicht zu sagen. Métallurgie: Artefakte und Reste, die das Vorhandensein von Metallverarbeitung beweisen, sind zwar nicht sehr zahlreich, dafür prominent zutage getreten: Ein Beispiel ware das Fragment eines Tiegels zur Kupellation von Gold. 20 Die bisher einzige Parallelé in Mitteleuropa stammt aus Brníöko in Mâhren und wurde von Dr. Jiri Waldhauser am Symposium in Sopron 1994 vorgestellt. Diese Tiegel dienten zur Reinigung von Gold mittels Blei, wobei hochprozentig reines Metall zur Schmuck- und Münzherstellung erzeugt wurde. Der Gedanke der Münzpragung lalit sich weiterführen, wenn man bedenkt, dali die Datierung der Begleitkeramik des Tiegels in die Stufe Lt B 2 /Ci falit, also in eine Zeitsrufe, in der Goldprágungen auch im mittleren Donaugebiet auftauchen. Vom Material her gesehen ist diese Grube allerdings ein zeitlicher Ausreilier. Da die naturwissenschaftliche Untersuchung des Stückes an der TU München noch nicht abgeschlossen ist, können keine weiteren Details vorgelegt werden. Aus der auch nur maliig angefallenen Eisenschlacke wurden zwei ausgewâhlte Stücke am Institut für Ar­châometallurgie in Bochum 21 untersucht. Es handelt sich dabei hochstwahrscheinlich um Schmiedeschlak­ken, wobei eine Probe besonders eisenreich ist. Wie neueste Untersuchungen zeigen, entstehen eisenreiche Schmiedeschlacken am Anfang einer Verarbeitungsket­te von der Luppe bis zum Gegenstand. 22

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