Zalai Múzeum 8. (Zalaegerszeg, 1997)
Metzner-Nebelsick, Carola: Hallstattzeitliche Zentren in Südostpannonien
20 Metzner-Nebelsick, Carola Lanzen und mehrere Trensen beigegeben waren, um eine hochgestellte Persönlichkeit gehandelt haben muJi. Die postulierte Bindung der Rhyta an Bestattungen einer sozialen Elite unterstutzt das in Bronze gegossene gewinkelte Gefafi vom Glasinac, das moglicherweise aus dem von Ferdinand von Hochstetter und spâter von Otto Seewald publizierten Vogelwagentumulus stammt (Abb. 10, 9a-b). 62 Das 12,1 cm lange, am Rand 4,4 bis 4,7 cm breite und 6,2 cm im Durchmesser betragende Rhyton - das einzige Metallexemplar dieser Formengruppe - gehórt zur Gruppé der henkellosen Stiicke. Es ist besonders durch die Endverzierung den Höraern aus Vaszar und Brno Holásky (Abb. 10, 1.4) an die Seite zu stellen. Das kleine Loch im Zentrum des geschlossenen Endes ist ein zusàtzlicher Hinweis auf die Verwendung als Rhyton, da sich die jiingeren metallenen Exemplare dieser Gefaligattung allé durch dièses technische Detail auszeichnen. Leider ist die Zugehörigkeit des Rhytons zum Vogel- oder Kesselwagentumulus vom Glasinac, dessen exzeptioneller Charakter auch durch die Beigabe einer importierten bronzenen Kleeblattkanne aufler Zweifel steht, nicht sicher zu belegen. Handelte es sich um einen zusammengehörigen Fund, wiirde der durch die Kleeblattkanne reprasentierte symposiale Aspekt dieser Bestattung zusâtzlich betont. Vermutlich besalien die gewinkelten Tonrhyta - insbesondere die theriomorph gestaltete Variante, bei der die Daljer Rhyta als die einzigen mit Widderfiguren versehenen Exemplare besonders hervorzuheben sind (Abb. 7, 3-4) 63 - neben der statusanzeigenden Komponente auch eine rituelle Funktion. Moglicherweise vermischen sich die Bedeutungsebenen eines prestigetrachtigen Symposial- und eines KultgefaJies durch die Niederlegung im Grab. Auch die symbolhaften Ornamente auf dem Horn von Holásky wirken eher inhaltlich besetzt als rein ornamental. 64 Bei den Funden aus dem Gebiet der Lausitzer Kulturgruppen fallt es aufgrund einer von den draulândischen Bestattungen der Hallstattzeit abweichenden Grabsitte schwerer, Formen des gehobenen Trinkens mit Hilfe dieser Gefafiform alléin zu bestimmen. Auch scheint hier bei den Rhyton-Gràbern der Aspekt eines sakralen Bedeutungsinhalts starker im Vordergrund zu stehen, wie das beigegebene Tiergeiali in Sobocisko, Grab 12 65 oder der mit dem Rhyton vergesellschaftete Tieraskos in Platënice verdeutlichen. Ferner miissen wir innerhalb des Verbreitungsgebietes der gewinkelten Rhyta vermutlich mit leichten Divergenzen ihres Bedeutungsgehalts rechnen, was sich fur uns sichtbar nicht nur in abweichend strukturierten Beifundensembles sondera auch in unterschiedlichen Niederlegungskontexten auliert. Die Trinkhörner aus Leopoldau in Niederösterreich sowie Vesele und Krizovany nad Dudváhom in der Westslowakei stammen aus zum Teil leider schlecht dokumentierten Siedlungskontexten. 66 Letzteres stammt im Gegensatz zu den meist àlteren Grabfunden bereits aus einem Fundkontext der jiingeren Hallstattzeit. Das Rhyton aus Iernut gehörte zu einem Keramikfund, der moglicherweise als Depot zu deuten ist. Wir konnen zusammenfaftend feststellen, dali neben den früh- bzw. álterhallstattzeitlichen Zentren Pécs und Kaptol auch die altbekannten, in ihrer zeitlichen Tiefe und überregionalen Einbindung bislang nicht ausreichend gewürdigten Fundplàtze Batina und Dalj als hallstattzeitliche Zentren Südostpannoniens zu bezeichnen sind. Die Auseinandersetzung mit Phânomenen eines östlichen Steppenkulturkreises ist insbesondere in der friihen Hallstattzeit des achten Jahrhunderts fíir Südostpannonien charakteristisch. Dabei ist die Umsetzung östlicher Elemente in lokale Ausdrucksformen und die Integration dieser neuen Formen in die Tokalen Bestattungssitten zu betonén. Funde wie der Komposithelm aus Batina oder das Wagengrab Tumulus 75 aus PécsJakabhegy und die pars-pro-toto-Teile eines Wagens in Batina verraten gleichzeitig die Bindung an osthallstàttische Konzepte der sepulkralen Statusreprâsentation. Dies gilt selbstverstàndlich auch fur die Anlage von Grabhiigeln in Kaptol, Pécs und Batina. In der vorliegenden Untersuchung wurden vor allem zwei Aspekte gehobener Lebensweise behandelt, deren Nachweis neben offensichtlichen Kriterien wie besonderen Gelandemerkmalen (Hügel, befestigte Höhensiedlungen) die Postulierung eines zentralen Ortes und Herrschaftszentrums der Hallstattzeit gerechtfertigt erscheinen lie/5: das Wagenfahren und die Verwendung besonderer Gefalte im Rahmen des im Grab dargestellten festlichen Trinkens. Andere Aspekte wie beispielsweise die defensive Prunkbewaffnung oder das Reitwesen konnten nur schlaglichtartig beleuchtet werden. Für die jüngere und spate Hallstattzeit fàllt es in Südostpannonien schwerer, zentrale Orte zu benennen. Mit Ausnahme des Hügelgráberfeldes von Kaptol, das auch in in dieser Zeit weiter belegt wurde, 67 haben wir bislang keine Kenntnis von jung- bis spathallstattzeitlichen Bestattungen mit prunkvollen Beigaben bzw. Beigabenensembles. 68 Zwar existierten auch die Grâbérfelder von Dalj Busija und vermutlich Batina weiter, wie einzelne, zumeist kontextlose Funde andeuten, regelrechte Prunkbeigaben fehlen hier jedoch. Inwieweit die Grabausstattungen dieser Zeit von den in der Regel bescheideneren Grablegen des östlich benachbarten Vekerzug-Kreises beeinfluftt sind, sei dahingestellt. Einflüsse aus dem Vekerzug-Milieu werden in der spâten Hallstattzeit in den Gráberfeldera von Szentlőrinc in der Baranya oder Doroslovo mit vereinzelten Körper- und Pferdebestattungen faJibar. 69 Nach dem derzeitigen Forschungs- und Publikationsstand erscheint es jedoch verfriiht, den geringeren Fund-