Zalai Múzeum 5. (Zalaegerszeg, 1994)

Neugebauer, Johannes-Wolfgang: Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau

Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit in Ostösterreich südlich der Donau 91 stieg. Östlich schlossen darán zuerst fünf Kreisgràben an, die auf Grund Franzhausener und Getzersdorfer Fund­komplexe als Umfassungen abgeackerter mittelbronzezeit­licher Hügelgráber zu deuten waren. 49 In hundert Meter Entfernung war ein Streifen unmittelbar parallel am Ab­bruch der Niederterrasse zum Traisenniveau mit Pfosten­löchern, Fundamentgráben und verschiedenartigsten Gruben bedeckt, die zu epilengyelzeitlichen, früh- und mittelbronzezeitlichen Gehöften gehörten. 50 5) Pottenbrunn (SG. St. Pölten) 1981 wurde die StraBenmeisterei St. Pölten—Ost nahe Pottenbrunn errichtet. Auf dem dafür vorgesehenen Gelánde konnte ein frühlatenezeitlicher Adelsfriedhof groBteils ergraben werden. In seiner Mitte kam ein 74 Hocker umfassender einphasiger Friedhof der Unterwöl­blinger Kulturgruppe (Stufe Gemeinlebarn П) zum Vor­schein und wurde — soweit noch nicht durch die Latènegrabanlagen beschàdigt — zur Gànze untersucht. Er überlagerte stratigraphisch eine Siedlung der Stufe Gemeinlebarn I 5 ' . 6) Spielberg (SG. und VB. Melk) In unmittelbarer Nàhe der Mündung der Pielach in die Donau befand sich in der KG. Spielberg ein kleines, nach Westen, Norden und Osten steil abfallendes Plateau. Vor dem Bau einer neuen Donaubriicke wurden 1969 flàchige Rettungsgrabungen durchgeführt, die neben spàtneolit­hischen Siedlungsresten gegen Süden, gegen das Hinter­land zu, eine gleichzeitige Abschnittsbefestigung, beste­hend aus einem Sohlgraben und einer Palisade ergraben. In der Friihbronzezeit wurden im Siidteil des Plateaus zwei Bestattungsgruppen angelegt, von denen noch 30 Hocker­gràber der Unterwölblinger Kulturgruppe erfaBt werden konnten 52 (siehe dazu Beitrag von A. Leeb, Das frühbron­zezeitliche Graberfeld Melk/Spielberg in diesem Band). 7) Gemeinlebarn F (SG. Traismauer, VB. St. Pölten) In den Jahren 1973/74 und 1978—81 wurden 400 m öst­lich der Bahnhaltestelle (Zentrum des Gràberfeldes A von J. Szombathy) 258 Bestattungen eines neuen, bislang un­bekannten Frühbronzezeitfriedhofes im Rahmen von Ret­tungsgrabungen systematisch untersucht. Er wurde als Nekropole F von Gemeinlebarn 53 bezeichnet. Der Nord­Süd ausgerichtete Gràberstreifen hatte eine Ausdehnung von 220x130 m und erstreckte sich von der Niederterras­senkante im Norden gegen das Hinterland im Süden zu. Zugehörige Ansiedlungen (etwa am Plateau des Schlofi­berges von Sitzenberg?) sind bislang noch nicht schlüssig erwiesen worden. Auf 19.500 m 2 (=76,47% der Gesamtflàche) wurden 257 Körpergráber und eine Brandbestattung festgestellt; dies entsprach einer durchschnittlichen Belegung von nur einem Grab pro 75,29 m 2 (Abb. 9). Abweichungen waren durch Leerzonen fur Pfostensetzungen (,,Funeralbauten") und durch stárkereBeisetzungskonzentrationen (Familien­bestattungen) gégében. Oberirdisch dürften die Grab­legen durch flachere, ovale Erdaufwürfe, bzw. Gruppén oder einzelne sozial Bessergestellte durch höhere, kreis­runde Grabhügel überdeckt gewesen sein. Zusátzliche Markierungen erfolgten durch Holzpfosten und Steinstelen. Die Dimensionen der Grabgrube und die Ausstattungen standén mit dem Alter, dem Geschlecht und dem sozialen Status des Toten in Korrelation. Die Orientierung war bei einer gewissen Variationsbreite die Nord-Südrichtung. Oft wurden kistenförmige Holzsàrge oder breitere Baum­sàrge, seltener langschmale Baumsârge verwendet. Bei den Hockern kann man lockere (schwache), (mittel-) maBige, starkere und extreme unterscheiden. Mit gerin­gen Ausnahmen entsprachen die Hocker dem Prinzip des , ,Glockenbechertyps", der bipolaren, sexualdifferenzier­ten Skelettlage; Gestreckte Rückenlagen und Brandbestat­tung bildeten seltenen Abweichungen. Wenngleich ungewöhnlich starker zeitgenössischer Grabraub bei der Beurteilung der Beigabensitten sehr hin­derlich war, so lieBen sich doch einige Grundregein able­sen: Die Knaben wurden eher wie die Màdchen ausgestat­tet. Die Manner waren durch Waffen (Beil und Dolch), Gürtelhaken und die Einzahl der Nadeln, die Frauen durch Lederkappen mit Blech- und Drahtzierteilen (nur bei erwachsenen Frauen!), der Zweizahl bei den Nadeln und durch reichen Ringschmuck charakterisiert (Abb. 10). Aufgrund gruppenspezifischer Eigenheiten — weniger bei der Bewaffnung, eher in der Frauentracht (Lederkap­pen und Ringschmuck) — wie auch bei den Bestattungssit­ten und durch Verbreitungseinheiten der Pfostenset­zungen (=Funeralbauten) lassen sich innerhalb der bis zuletzt gleichzeitig benutzten Nekropole F drei Zonen herausarbeiten: Bei diesen handelt es sich wohl um Bestattungsplâtze, die Sippenverbânden entsprechen und wohl die Besitzer der Gehöfte oder Gehöftgruppen dar­stellten. Diffizile Befunde haben fur Gemeinlebarn F ein StörungsausmaB von 94,18% ergeben. Es handelte sich jedoch nicht nur um heimlichen Grabraub, sondera um offene Plünderungsaktionen bei Tage, die sich durch das Verwerfen von Beigabenfragmenten und Skelettresten be­legen lassen; ein Teil der Bestatteten war noch im Verband bzw. Teil verband. Das Ziel der Aktionén war die wider­rechtliche Gewinnung von Bunt- und Edelmetallgegen­standen. Trotzdem blieb eine genügende Anzahl von Bronzén, die eine Datierung der Nekropole F fast aus­schlieBlich in die Stufe Gemeinlebarn III/Langquaid der ausgehenden Friihbronzezeit ermöglichten (Horizont der tordierten, schrâggelochten Kugelkopfnadeln, Abb. 10/10—12). Die Keramik gestattet dagegen die Zuordnung zur Böheimkirchner Gruppé der Vëteïov-Kultur (Abb. 11).

Next

/
Thumbnails
Contents